Wie geht es dir?

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Wie oft hört oder liest man eben diese Frage an einem Tag. Wie geht es dir? Eigentlich gibt es nichts heuchlerisches als diese Frage. Denn wenn es wirklich jemanden interessieren würde, wie es mir geht, würde er auch auf mich eingehen, und sich nicht einfach abspeisen lassen.

Aber wie geht es mir denn eigentlich? Hm, gute Frage. Die letzte Woche hatte ich mit einer Laune zu kämpfen, die ich selbst nicht ertragen konnte. Gute Laune Fehlanzeige. Alles hat mich genervt, ich konnte mich zu nichts aufraffen und generell war mir nach Heulen zu Mute. Selbst mein typisches „Aufstehen, Krönchen richten, weitergehen“ hat nichts gebracht, mir wollte es nicht gelingen, dauerhaft in einen ausgeglichenen Zustand zurückzukehren.

Die Woche war sehr ereignisreich. Nicht nur, dass ich knapp 160 Seiten für mein Proseminar lesen musste (was ich tatsächlich geschafft habe, und das innerhalb von einer Woche :D), ich hatte generell viel für die Uni zu tun. Und heute vor einer Woche ist etwas passiert, was mich völlig aus der Bahn geworfen hat. Ich war gerade auf dem Weg nach Hause, saß im Zug von Karlsruhe-Durlach nach Mühlacker und war guter Dinge, als wir in Pforzheim einfuhren, da es nicht mehr lange dauern würde, bis ich endlich wieder zu Hause sein würde. Leider war dem nicht so. Ich weiß nicht, ob es absichtlich oder versehentlich passiert ist, allerdings ist eine Frau vor meinen Zug ins Gleisbett gestürzt und dabei umgekommen. Weiterfahrt natürlich unmöglich. Der Gedanke daran, dass so gut wie alle Insassen des Zuges indirekt über die Frau gelaufen sind, als sie den Zug verlassen haben, verursacht bei mir immer wieder von neuem Gänsehaut. Und seit dem Unglück hab ich auch ständig ein mulmiges Gefühl, kurz bevor mein Zug in Pforzheim einfährt. Das ist einfach schrecklich und für den ganzen Umstand fehlen mir die Worte. Zu diesem Unglück gab es natürlich auch einen Bericht auf der Webseite der Pforzheimer Zeitung: http://www.pz-news.de/pforzheim_artikel,-Zug-ueberrollt-Frau-Bahnhof-Pforzheim-gesperrt-_arid,393050.html

Und mir fehlen immer noch die Worte zu der ganzen Situation.

Auch die übrige Woche war bei mir nicht wirklich berauschend. Momentan fehlt mir irgendwie der Ausgleich zum ganzen Alltagsstress. Und ich hab in der letzten Woche erkannt, dass ich mich wahnsinnig in eine Illusion verrannt habe, und mit dieser Erkenntnis habe ich nun auch die ganze Zeit zu kämpfen. Es ist einfach frustrierend! Jedes Mal, wenn ich mir ansatzweise Hoffnungen mache, dass sich etwas Entscheidendes verändert hat, kommt die Realität und schlägt mir knallhart ins Gesicht. Aber ich habe schon lange aufgehört, mir zu sagen, dass das einfach nicht fair ist. Die ganze Zeit über habe ich geahnt, dass ich mich hoffnungslos in etwas verrenne, und habe sämtliche Warnhinweise ignoriert. Ich Idiot.

Leider weiß ich auch nicht, wie ich von diesem Gefühlstripp wieder runterkomme. Mich mit meinem Studium ablenken funktioniert vielleicht den Großteil des Tages über prima, aber gerade um die Abendstunden reißt die Fassade, welche ich den Tag über errichtet habe, relativ schnell wieder ein.

Ich werd‘ also die nächsten paar Tage eher darauf verzichten, hier irgendetwas zu schreiben. Bevor ich nicht wieder mit mir ins Reine gekommen bin, hat das ja auch keinen Sinn.

Bis die Tage!

Jess

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