Spuren im Herzen

Jeder Mensch erlebt im Leben Dinge, die Spuren in seinem Herzen hinterlassen. Momente, die durch einzelne Situationen hervorgerufen und abgespielt werden. Bei mir sind solche Momente meistens mit Musik verbunden. Höre ich ein Lied, fühle ich mich in diese Situation hineinversetzt, bin nicht mehr die Jess aus dem Hier und Jetzt, sondern die von damals, mit allen Gefühlen, Ängsten, Hoffnungen und Zweifel.
Wieso mich diese Situationen zur Zeit so beschäftigen? Ich achte viel mehr darauf. Dadurch, dass ich zweimal die Woche mit dem Auto nach Heidelberg fahre, habe ich immer öfter meine Playlist einfach durchlaufen lassen. 500 Lieder, Werke, gesammelt in den letzten 10 Jahren. Da kommen Erinnerungen hoch. Erinnerungen, die einen das ganze Leben über begleiten.

Angefangen hat es damals, als ich süße 7 Jahre alt war. Ich war ein Kind froher Natur, hab viel Zeit mit meiner besten Freundin draußen verbracht, mich im Sand gewälzt, Verstecken gespielt, Inliner gefahren (und bin natürlich dementsprechend oft auch auf die Nase gefallen, ich Tollpatsch). Allerdings war damals, und ich glaube, diese Serie begleitet jedes weibliche Wesen aus meinem Jahrgang auf irgendeine Art und Weise, Sailor Moon ganz in. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie das Spielen draußen für eine halbe Stunde unterbrochen wurde, um ja keine Folge von Sailor Moon zu verpassen. Wie man an kalten, regnerischen Tagen gemeinsam drinnen saß und Malbücher ausgemalt hat. Wie man geheult hat, als es auf ein Staffelende zuging.
Natürlich hat meine Familie diese Vernarrtheit in die Serie auch mitbekommen. Ich habe damals eine CD von den Super Moonies geschenkt bekommen – ich weiß nicht mal, von wem ich sie bekommen habe – und sie lief rauf und runter. Den Text meines Lieblingsliedes von damals, Kämpfe Sailor Moon, kenne ich heute noch auswendig. Und jedes Mal, wenn er durch Zufall abgespielt wird, denke ich an die schönen Zeiten von damals, an die Gefühle, das Unbeschwerte, das Wundervolle, was die Serie und alles, was drum herum passierte, mit sich gebracht hat.

Zur etwa selben Zeit heirateten viele meiner Verwandten. Unter anderem auch meine Tante und mein Onkel. Mein Onkel war – und ist immer noch, hihi – großer Modern Talking Fan, sodass auf fast jeder Feier, die er mitorganisiert hat, irgendwann You’re my heart, you’re my Soul lief. Wenn dieses Lied läuft (und ja, es wurde in der Tat erst diesen April auf der Geburtstagsfeier meines Onkels gespielt) muss ich immer an die unzähligen Feiern denken, an welchen die Welt noch in Ordnung war, an welchen meine Familie abwechselnd mit der kleinen, quirligen Jess getanzt und versucht hat, ihr Walzer oder Discofox beizubringen. Hach, waren das schöne Zeiten (ich kann übrigens mittlerweile weder Walzer noch Discofox, alles wieder vergessen, sollte ich mal heiraten, muss ich zwei Jahre zuvor eine Tanzschule besuchen. Mit den Jahren habe ich nämlich irgendwie zwei linke Füße entwickelt und stelle mich manchmal echt dämlich an, was das Erlernen von Tanzschritten angeht).

So habe ich wohl die nächsten drei Jahre verbracht, denn das nächste prägnante Lied stammt aus dem Jahr 2003: Bring me to life von Evanescence. Eines Abends, ich erinnere mich noch genau, dass meine Geschwister und ich uns da noch ein Zimmer teilten und ich auf meiner Ausziehcouch lag, bin ich während einer Werbepause auf die Idee gekommen, durch die Programme zu schalten und landete auf VIVA, genau in dem Moment, als das Lied begann. Ich war fasziniert von dem Gesang, der Stimme, dem Video und dem Gesamtpaket, sodass ich wie hypnotisiert vor dem Fernseher saß (ich glaube, dass meine Leidenschaft für Lieder, die diesem Genre entsprechen, irgendwie auch daher kommt). Ich hörte mir also Evanescence an und begann ab diesem Zeitpunkt, VIVA immer öfter anzuschauen, immer mehr Lieder zu entdecken. Als ich dann das erste Mal ein Lied von Sarah Connor hörte, war es um mich geschehen und ich entwickelte mich zum typischen Teenie-Fan: Mein Zimmer, welches ich 2004 erhielt, war irgendwann plakatiert mit Postern und Bildern von ihr, meine gesamte Familie durfte ihre Alben mithören und jeder Songtext wurde auswendig gelernt. Konzertbesuch und Sarah-Connor-MP3-Player natürlich inklusive. So im Nachhinein etwas erschreckend, aber hey, ich war ein Teenie und auch ich durfte mir solche Jugendsünden erlauben (mittlerweile bin ich von der Sucht geheilt, aber das war schon eine krasse Zeit).

Es gibt so viele Lieder, mit denen ich schöne, traurige, wundervolle, einschneidende Erinnerungen verbringe. Wenn ich Zehn von Farin Urlaub höre, denke ich an den ersten Abistreich, welchen ich in Villingen miterlebt habe. Höre ich Takin‘ back my love von Enrique Iglesias und Sarah Connor, muss an die unzähligen Male denken, an denen ich in Wolterdingen morgens die 10 Minuten von meinem Haus bis zur Bushaltestelle gelaufen bin. Wenn ich Er lebt in dir aus dem König der Löwen Musical anhöre, fühle ich mich zugleich an meine Studienfahrt als auch an meine Zeit als kleines Kind, in welcher mein Opa stundenlang mit mir gemalt und König der Löwen geschaut hat, erinnert. Bei Meine Soldaten von Maxim kommen mir die unzähligen langen Mittagspausen in den Kopf, welche ich im letzten Sommersemester im Historischen Seminar der Uni Heidelberg verbracht habe. Und so erzählt jedes Lied seine ganz eigene Geschichte, eine Geschichte, die fest im Herzen verankert ist und Gefühle hervorruft.

Ich denke, dieses Gefühl kennt jeder von uns. Oder nicht?

Bis die Tage,

Jess

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