Veränderungen

zitat

Viele Menschen meinen immer, ihr Leben sei abgrundtief scheiße und nicht lebenswert. Es müssten Veränderungen her, die einem wieder zeigen, wie toll das Leben sein mag, wenn es nur nicht so wäre wie das eigene. Die vielen kleinen Dinge, die dabei das Leben lebenswert machen, werden dabei nicht berücksichtigt, bleiben unbeachtet in der Ecke liegen oder werden gar noch mit Füßen getreten.

Ich verstehe solche Menschen nicht.

Ich bin ein Mensch, der Veränderungen in den meisten Fällen generell scheiße findet. Am Dienstagabend hätte ich am liebsten mein Tablet an die Wand geworfen, weil meine Buch-App eingestellt und durch die Kindle-App ersetzt wurde (die ich übrigens nicht verwende – wie man so einen Mist auf den Markt werfen kann…). Wozu muss man denn Dinge, die man gewohnt ist, über Bord werfen, etwas neues, innovatives kreieren, wenn doch das, was man bereits zur Verfügung hat, einem alles bieten kann? Veränderungen bringen in den seltesten Fällen etwas Gutes mit sich. Die meisten Menschen streben danach, etwas in ihrem Leben zu verändern, dem Alltagstrott zu entfliehen, immer neue Menschen kennenzulernen und dabei die alten zu vergessen – ich nicht. Ich mag den Alltagstrott. Ich mag es, wenn mich Menschen über Jahre hinweg auf meinem Lebensweg begleiten. Ich mag es, wenn Verhältnisse geklärt sind. Ich mag es, wenn man dem anderen in die Augen schauen kann und weiß, was er oder sie von einem möchte, weil man es am Blick ablesen kann. Ich mag es, wenn man sich ganz ohne Worte versteht. All diese Dinge brauchen Kontinuität, eine gewisse Konstante, um überhaupt möglich sein zu können. Aber wer will das heutzutage noch? Es klingt langweilig. Es hat mit Verantwortung zu tun. Verantwortung bedeutet Arbeit. Im Leben immer wieder etwas zu verändern, Dinge, die nicht funktionieren, einfach über Bord zu werfen und aus dem Leben zu streichen – das ist die einfachste Lösung, diesen Weg wählen die meisten. Und auf einmal ist der Mensch, für den du deine Hand ins Feuer gelegt hättest, ganz anders. Du bist lästig geworden. Stellst ihn in Frage. Er möchte dir gegenüber nicht mehr die liebe, nette Person sein, sondern dich mit Äußerungen verdrängen, eine Veränderung herbeiführen, sodass du nicht mehr Teil seines Lebens bist. Du bist lästig, verschwinde. Ich möchte mein Leben verändern. Dieses veränderte Leben beinhaltet dich nicht. Und wenn ich dafür mein Leben komplett auf den Kopf stellen und von der lieben, netten, herzlichen Person zum reinsten Teufel werden muss, nur um dich los zu werden, so bin ich bereit, diese Veränderungen durchzuführen, nur um an dieses Ziel zu gelangen.

Ich hasse Veränderung. Daher sind mir am liebsten die bösen Menschen – da weiß man zumindest gleich, woran man ist. Und wird nicht wieder mit blöden, nervigen, nie erwarteten Veränderungen konfrontiert, die einen am Ende dazu führen, sich zu fragen, ob man damals nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte.

Bis die Tage,

Jess

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