our way to distance.

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Es gibt Menschen im Leben, die versprechen einem das Blaue vom Himmel. „Du bist mir so wichtig. Ich bin immer da für dich. Wenn dir etwas auf dem Herzen liegt, melde dich. Ich bin ein guter Freund und kümmere mich um Menschen, die etwas besonderes sind, und das bist du. Du hilfst mir, wenn es mir schlecht geht, und zauberst mir ein Lächeln ins Gesicht. Das würde ich auch gerne für dich tun. Ich mag dich. Du hast in mir eine Schulter zum Anlehnen. Wir können ungezwungen rumalbern. Wenn dich etwas an mir stört, sag es mir bitte, denn deine Kritik ist mir wichtig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir uns irgendwann entfremden.“

Diese Menschen können einem die Luft zum Atmen nehmen, weil sie etwas besonderes sind. Man fühlt sich beschützt und geborgen, wenn man sich mit ihnen unterhält, in ihrer Nähe ist, mit ihnen schreibt. Gemeinsam lachen, gemeinsam grübeln, gemeinsam nachdenken, gemeinsam Lösungen finden, gemeinsam über Dinge kichern, die sonst keiner versteht, gemeinsam wundervolle Erinnerungen teilen, die einem keiner mehr nehmen kann, gemeinsam weinen. All die Dinge, die eine Freundschaft ausmachen, die zeigen, dass man unendliches Vertrauen zueinander hat. Die einem das Gefühl geben, angekommen zu sein.

Und meistens lauert genau an dieser Stelle der berühmte Wendepunkt. Ein Punkt, den man meist erst im Nachhinein greifen kann. Über welchen man wochen-, monate- oder sogar jahrelang nachdenken kann und sich immer wieder fragt, ob man an dieser Stelle nicht anders hätte reagieren sollen. Meist ist es genau der Punkt, wenn es zum ersten Mal darum geht, Kritik am anderen zu äußern – worum man ja gebeten wurde. Was man selbst für extrem wichtig hält. Ehrlich sein. Direkt sein. Nichts hinunterschlucken, sagen, was einen stört und warum es so ist. Eine Möglichkeit finden, dies zu ändern. Meistens der Anfang vom Ende. Und unser Weg zur Distanz beginnt.

In den vergangenen Jahren habe ich schon ein paar Mal so eine Erfahrung machen dürfen. Als es zum ersten Mal dazu kam und eine Person, dir mir wahnsinnig viel bedeutete, sich nach einem langen, ausführlichen Gespräch mit Versprechen auf Besserung immer weniger meldete und irgendwann gar keinen Kontakt mehr zu mir suchte, hatte ich das Gefühl, in ein tiefes, schwarzes Loch zu fallen. Dunkelheit. Kalter Erdboden, kalte Erdmassen, die rechts und links von mir emporragen und drohen, mich zu erdrücken. Dieses erdrückende, einsame und kalte Gefühl lässt einen nicht los. So lange, bis man es endlich schafft, irgendwie eine Möglichkeit zu ergreifen, aus dem dunklen Loch hervorzukrabbeln, langsam und vorsichtig das Sonnenlicht zu begutachten, es irgendwann wieder in vollen Zügen genießen zu können. Doch genau dieses Sonnenlicht blendet einen so dermaßen, dass man das nächste Erdloch übersieht. Es ist nicht mehr so tief, es ist nicht mehr so kalt, es ist nicht mehr so erdrückend. Und doch dauert es, bis man wieder hervorkommt. Sich aufrappelt. Die Gefühle, die einem selbst an den schönsten Tagen die mieseste Laune verpassen können, hinter einer großen Mauer einsperrt und sie nicht mehr hervorkommen lässt. Und dann ist da wieder dieser Sonnenschein. Und das ganze Spiel von vorne. Mit der Zeit lernt man dazu und setzt ab und an eine Sonnenbrille auf. So überspringt man das ein oder andere Erdloch. Leider lauert meistens irgendwo ein weiteres, welches man trotz Sonnenbrille nicht sieht. Also wieder.. Gefühle verschließen, aus dem Erdloch krabbeln.
Ich habe keine Lust mehr auf diese Endlosschleife. Es macht keinen Spaß mehr, hinter jedem Sonnenstrahl das nächste Erdloch zu erwarten. In einem der Erdlöcher sitzen zu bleiben ist allerdings auch keine Alternative. Also – was tun?
Sämtliche Erdlöcher einfach zuschütten. Nichts zulassen, was ein zu tiefes Erdloch hervorrufen kann. Ich muss ohne große Mühe rauskrabbeln können. Unser Weg zur Distanz. Mein Weg zur Distanz.
Danke dafür. An alle, die so fleißig Erdlöcher für mich geschaufelt haben.
Auf dass ihr am ausgestreckten Arm verreckt.

Bis die Tage,

Jess

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