Lauf kleiner Hamster!

Lauf kleiner Hamster, lauf! Das Rad dreht sich und dreht sich. Du kannst nichts dagegen tun. Du musst laufen, laufen, laufen. Minutenlang, stundenlang, tagelang, wochenlang. Jahr für Jahr. Es gibt Momente, in denen du an deiner Leistungsgrenze angelangst. Du öffnest den Mund leicht, hechelst, schnappst nach Luft und hast das Gefühl, dass es im nächsten Moment vorbei ist. Nein, das kann nicht sein! Du beißt deine Zähne fest zusammen, denkst nicht ans Aufgeben. Nein, nein, nein. Und du läufst weiter und weiter. Mal nur, weil du es musst, in manchen Momenten, weil du nicht aufgeben willst, in anderen langsamer, weil du sonst nicht mehr kannst, in anderen schneller, weil es das Rad abverlangt. Und das Rad dreht sich und dreht sich und dreht sich und dreht sich..

Wann genau hat man eigentlich aufgehört, tagelang über Langeweile zu jammern und dafür von Termin zu Termin zu hetzen?
Als kleines Kind gab es keinen größeren Wunsch, als endlich erwachsen zu sein. Keine Schule mehr, keine unnötigen Fächer, die man im späteren Leben eh nieeeeeee wieder brauchen wird. Ein Beruf, der einem Spaß macht. In der eigenen Wohnung leben, in der man stundenlang auf der Couch rumliegen kann, die Klamotten im Eck liegen lassen kann, ohne dass Mama, Papa oder Oma reinkommen und sagen „Wie sieht es denn hier aus? Räum mal auf!“ Einfach mal nackt vom Bad ins Schlafzimmer laufen, weil man irgendetwas vergessen hat mit ins Bad zu nehmen. Das eigene Auto – endlich nicht mehr angewiesen sein auf Bus, Bahn oder die Gnade irgendeiner Person, die einen Führerschein hat und einen zum Treffen mit Freunden fährt.
Klingt doch super, oder?

Pustekuchen.
Klar genießt man als Erwachsener die ganzen Freiheiten, die ich aufgezählt habe. Natürlich. Aber es ist eben nicht mehr so, dass man um 13 Uhr Feierabend hat, um 14 Uhr zu Hause ist und nur ein paar kleine Aufgaben erledigen muss. Nein. Meistens ist man bis 19 Uhr unterwegs, arbeitet, erledigt Dinge, oder studiert (je nachdem, welchen Weg man einschlägt). Und dann kommt man Heim und genießt nicht den Luxus, dass das Essen auf dem Tisch steht. Man hat zwar die Freiheit, auszuwählen, was man Tolles kochen kann (juhu!), aber das muss ja schließlich gekocht werden. Und schwups ist schon wieder 20 Uhr. Eigentlich begann da früher immer das Abendprogramm im TV – das macht es auch noch, wenn man erwachsen ist. Nur heißt es dann nicht, dass man ganz entspannt die Lieblingsserie oder einen spannenden Film verfolgen kann, nein. Nebenbei wird die Spülmaschine eingeräumt, Kleinigkeiten verräumt, das Bügeleisen aufgestellt und die Wäsche, die seit einer Woche darauf wartet, endlich gebügelt zu werden, gebügelt. Ach, apropos. Irgendwie muss man ja während der ganzen Hetzerei Zeit dafür finden, diese in die Waschmaschine und eine Stunde später in den Trockner zu werfen. Und irgendwann ist man an dem Punkt angelangt, dass man den wöchentlichen Wohnungsputz auf zwei Tage verteilt, um einmal EINEN Tag in der Woche frei zu haben. Oder es sich zumindest mal vorzunehmen. Denn meistens kommt es doch anders.

Eigentlich bin ich ein Mensch, der diesen Trubel braucht. Ich werde zum unausstehlichen Etwas, wenn ich nichts zu tun habe und liebe es, Verantwortung für mein Leben übernommen zu haben, all die Dinge, die ich während meiner Zeit im Elternhaus mitbekommen habe, in die Tat umzusetzen. Besser und konsequenter, versteht sich. Dass sich das Rad dreht ist für mich selten ein Problem, aber manchmal fühle ich mich wie ein Hamster, der völlig erschöpft ist und den Absprung aus dem Rad hinaus nicht schafft, als sei da eine unsichtbare Wand, die verhindert, dass man sich einen Moment Pause gönnt. Oftmals habe ich auch das Gefühl, dass ich diese Wand selbst errichte, indem ich es einfach nicht gut sein lassen kann: Es muss heute noch sein, dass die Kleinigkeiten verräumt werden, und manchmal bringen mich fünf Körner des Katzenstreus im Flur dazu, den Staubsauger zu schnappen. Total blödsinnig. Aber das Rad muss sich irgendwie weiterdrehen, auch wenn man sich nach einem Stillstand sehnt.
Und auf einmal sehnt man sich nach Ruhe und einem endlosen Urlaub, obwohl man genau weiß, dass die freien Tage einem eigentlich gar nicht in den Kram passen. Dass man es irgendwie braucht, immer wieder auf die Uhr zu blicken und sich auf den nächsten Termin vorzubereiten. Es ist wie verhext.

Ob ich je eine Lösung finde, diese unsichtbare Wand zu durchbrechen? Wie handhabt ihr das?

Bis die Tage,
Jess

PS: Ich erhalte derzeit unmöglich viel Spamkommentare. Bin ich nun berühmt? :D
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