Stundenplan? Nächstes Semester? Heidelberg?!

Sie macht immer viel zu viel auf einmal. Das ist nicht einfach. Aber vielleicht lernt sie es irgendwann.“

Großvater

In vielen unterschiedlichen Aspekten ist mein Großvater ein weiser Mann. Nicht nur, dass ich ihn um die Eigenschaft beneide, selbst bei den größten Dummheiten und nervigsten Angelegenheiten tiefenentspannt zu bleiben, er trifft die Dinge oftmals mit wenigen Worten auf den Kopf. So wie jetzt auch, als er erfahren hat, womit genau ich gerade meine Zeit verbringe, was mich beschäftigt und welche großen Dinge demnächst anstehen.

Es gibt einige Dinge, die mich in den Wahnsinn treiben können und bei denen ich gerne so entspannt wäre wie er. Beispielsweise die, die am Ende eines Semesters anstehen. Aber wie soll das „entspannt an eine Sache rangehen“ funktionieren, wenn der Stress, welcher gerade von einem abfällt, bereits in der ersten Semesterferienwoche wieder von vorne anfängt?
Viele von euch werden wohl denken: „Wie? Am Semesterende nochmal Stress? Nein.. das kann doch nicht sein!“
Bis auf Hausarbeiten steht doch in den Semesterferien nie etwas an und die kann man doch in den ersten paar Wochen wunderbar verdrängen. Nach dem Ende meines ersten Semesters dachte ich mir das auch. Aber naja, falsch gedacht.

Ich weiß nicht, wie es Studenten in anderen Studiengängen oder an anderen Universitäten geht, aber ich finde das Zusammenstellen meines Stundenplans am Ende des Semesters immer schrecklich. Denn da heißt es nicht nur, möglichst schnell zu sein, um in die Seminare zu gelangen, die einen am meisten interessieren, es bedeutet auch, sich mit dem, was man bereits geleistet hat, auseinandersetzen zu müssen. Und das ist für mich meistens mehr Stress, als das Semester selbst. Denn da läuft es ja. Nach der ersten Woche ist man im neuen Semester angekommen, weiß, wann man wo sein muss, was man in welchem Seminar zu leisten hat. Es herrscht zumindest für 13 Wochen eine gewisse Kontinuität. Und das ist ja zur Abwechslung mal ganz nett (vielleicht vermisse ich deshalb auch den Schul- und Studentenalltag im Moment so sehr, hm).

Versteht mich nicht falsch. Ich stehe weiß Gott nicht schlecht dar, was meine Studienplanung angeht. In Geschichte habe ich bereits meine Zwischenprüfung in der vorgegebenen Zeit geschafft, in Deutsch trennen mich nur noch eine Hausarbeit und ein Lektürekurs davon.
Allerdings habe ich ja seit vergangenen Dezember das Ziel, mein Studium möglichst schnell abzuschließen, mich von der Pflicht zu verabschieden und endlich in der Kür, dem Referendariat, genau das zu machen, was ich gut kann, was mir Spaß macht, was dafür gesorgt hat, dass ich nicht mehr frustriert von einem Tag zum nächsten lebe. Und durch diesen Wunsch setze ich mich selbst wohl unbewusst so dermaßen unter Druck, dass ich das Gefühl habe, in den vergangenen Semester viel zu wenig geleistet zu haben. Schwachsinnig, ich weiß. Aber wer behauptet, das Unterbewusstsein wäre rational, hat auch einen an der Klatsche.

Neben Deutsch und Geschichte habe ich in meinem Studienverlauf auch noch drei nette Lehrermodule: Das Modul der personalen Kompetenz, mein ethisch-philosophisches Grundlagenstudium und mein bildungswissenschaftliches Begleitstudium. Und den Kram habe ich etwas vernachlässigt. Zum einen, weil ich erst im zweiten Semester geschnallt habe, dass es sowas überhaupt gibt und zum anderen haben mich die einzelnen Veranstaltungen überhaupt nicht gereizt und ich ging davon aus, dass es vielleicht doch im nächsten Semester die ein oder andere Veranstaltung geben müsse, die thematisch doch etwas ansprechender ist.
Pustekuchen. Grrr.

Während meines Praxissemesters hat meine Betreuerin immer mal wieder seinen sehr klugen und weisen Satz fallen gelassen:

„Lerne das System kennen und verstehe, wie es funktioniert, dann fällt es dir leichter, dich zu integrieren und mehr Leistung zu bringen.“

Und sie hat so verdammt Recht damit.
Hätte ich das System Universität früher verstanden, hätte ich wohl vieles anders gemacht. Mehr Leistung pro Semester gebracht und nicht erst im dritten wirklich damit angefangen. Leider hatte ich nie die Zeit, mich in dieses System einzufinden – während andere die freie Zeit zwischen Abitur und Studiumsbeginn mit Freizeit nutzen konnten, habe ich recht zeitnah angefangen zu arbeiten und mein Latinum nachzuholen. Statt meine Pause vom Lernen zu nutzen, habe ich möglichst viel in dieser Zwischenzeit getan, um mich im Anschluss voll auf mein Studium konzentrieren zu können. Leider habe ich darüber hinaus vergessen, dass ich durch das System Universität gar nicht so richtig durchsteige. Hmpf.
Wenn ich mit dem Wissen, das ich jetzt habe, nochmal von vorne anfangen könnte, würde wohl einiges besser laufen. Aber wie heißt es so schön? Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre, wäre mein Vater Millionär.

Ich kann es nicht mehr ändern. Nur noch das Beste daraus machen, weshalb ich im kommenden Semester auf 53 Leistunspunkte komme, obwohl nur 30 pro Semester ein guter Schnitt wären. Aber hey, ich hab ein Ziel vor Augen, ich möchte mein Studium abschließen. Und am liebsten nicht in den vorgegebenen zehn Semestern, sondern früher.
Hach. Das schreibt sich immer alles so toll und so einfach. Hoffentlich bekomme ich das auch so hin, wie ich es mir vorstelle, denn ich glaube nicht, dass ich den Frust, ein Seminar ins nächste Semester zu verlegen, weil es einfach zu viel ist, nicht so schnell verdauen würde. Grrrr. Oder mein Großvater behält an dieser Stelle Recht und dieses „vielleicht lernt sie es irgendwann“ kommt schneller, als ich dachte.
Oder es ist wie immer. „Zweifel“ von anderen an meinem Durchhaltevermögen sorgen dafür, dass ich mehr leiste, als ich je für möglich gehalten habe. Wie damals, mit süßen 15 Jahren, als wir umgezogen sind und alle davon überzeugt waren, ich würde im Schnitt ein bis zwei Noten abrutschen und ich genau das Gegenteil davon gemacht habe.

Wir werden sehen, was die Zukunft bringt!

Bis die Tage,

Jess

2 thoughts on “Stundenplan? Nächstes Semester? Heidelberg?!

  1. Jessi, wie immer n toller Post von dir..ich lese dich sehr gerne :)

    Du kriegst das alles bestens hin, bin ich mir zu 100% sicher. :)

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