Einmal aufladen, bitte.

Die Helligkeit meines Handys streikt. Es möchte nicht mehr heller werden, am liebsten kaum noch genutzt und vermeldet mir unheilvoll, dass ich nur noch fünf Prozent Akku hätte. Schön. Es ist Sonntag, ich bin den ganzen Tag zu Hause, genug Steckdosen wären ja in Reichweite. Und da ich gerade eh am Laptop sitze, obwohl ich diesen heute eigentlich auslassen wollte, spielt es keine große Rolle, ob das Handy an ist oder nicht. Wenn etwas Wichtiges sein sollte, bekomme ich es am Laptop mit, weil ich da generell alles besser im Auge behalten kann. Es ist also nicht schlimm, wenn der Akku des Handys mal an einem Tag in der Woche nicht bei 20 Prozent, sondern erst wieder bei null Prozent geladen wird. Doch wie sieht es eigentlich mit unserem eigenen Akku aus?

Sonntage sind für mich immer wie das Akku aufladen bei meinem Handy. Auch wenn ich unter der Woche mittlerweile recht viel Schlaf bekomme und es auch auf einen einigermaßen annehmbaren Biorhythmus schaffe, habe ich am Wochenende das Gefühl, dass ich stundenlang schlafen könnte. Unter der Woche schlaucht die Arbeit, der Kopf kreist immer wieder um all das, was es zu erledigen gibt und in der Nacht wach werden, weil das Unterbewusstsein mal wieder mit dem schrägsten Traum um’s Eck kommt, ist keine Seltenheit. Und generell war es bei mir schon immer so, dass ich fast am produktivsten bin, wenn ich im Bett liege. Da fallen mir auf einmal wieder all die Dinge ein, die ich den Tag über vergessen habe, weil sie nicht auf meiner ToDo-Liste standen oder ich tippe im Kopf einen ganzen Blogpost über ein Thema, welches mich gerade beschäftigt und meistens überhaupt nichts mit dem zu tun hat, was mir am Tag passiert ist.

Am Wochenende verhält sich das dann anders. Samstage sind da für mich noch die Ausnahme – meistens gibt es auch da noch unendlich viele Dinge zu erledigen, sodass es sich für mich eigentlich nicht wie Wochenende anfühlt. Aber sonntags. Sonntags kann ich zur Ruhe kommen und ein bisschen den Akku aufladen, der gefühlsmäßig wie der meines Handys nur noch bei fünf Prozent liegt. Das beginnt dann meist schon Samstagabend, wenn ich totmüde ins Bett falle und auf der Stelle einschlafe, ganz ohne produktive Phase meines Hirns.

Wenn ich so überlege, habe ich früher am Sonntag immer sehr lange geschlafen. Es war selten vor 12 Uhr, als ich endlich aus den Federn gekrabbelt bin und ich achtete Samstagabend immer penibel darauf, dass der Rolladen ja unten war und mich die Sonnenstrahlen nicht wecken würden. Mittlerweile verhält es sich anders. Heute bin ich um 8.00 Uhr zu mir gekommen, weil die Sonnenstrahlen so langsam ins Schlafzimmer krochen und wohl der Katzenmamawecker angesprungen ist – ich kann meine zwei Süßen ja nicht einfach verhungern lassen (ja, ich weiß. Sie verhungern nicht, wenn ich sie erst um zehn füttere.. aber trotzdem!). Natürlich habe ich mich auch nochmal ins Bett gelegt, aber einmal wach ist es bei mir meistens vorbei.
Viele werden es wohl kennen: Wenn man nicht ausschlafen darf, könnte man bis in den hellichten Tag hinein schlafen, wenn man dann mal bewusst „Ich schlafe heute aus!“ sagt, ist man so früh auf den Beinen, wie man es am liebsten unter der Woche ganz ohne Wecker wäre.
Aber an sich finde ich das mittlerweile gar nicht so schlimm. Je früher ich aufstehe, umso mehr kann ich vom Tag nutzen, denn spätestens ab 22.30 Uhr bin ich meistens eh für nichts mehr zu gebrauchen, egal wie viele Stunden ich geschlafen habe und wie viele ich noch wach bleiben werde. Umso mehr wundert es mich, dass ich diese Worte hier tippe, denn das widerspricht eigentlich völlig dem, was ich sonst immer mache.

Warum lädt dann aber am Sonntag trotzdem der Akku, wenn ich doch eh früh auf den Beinen bin?
Ich glaube, es liegt vor allem daran, dass ich mir für Sonntage meistens keine ToDo schreibe. Ich genieße es, an Sonntagen in den meisten Fällen ausgiebig frühstücken zu können und auch bekocht zu werden und danach einfach auf der Couch rumzuliegen. Wahlweise mal mit meinem Tablet in der Hand und in ein gutes Buch vertieft, am Durchzappen durch das öde Sonntagsfernseherprogramm oder einfach nur vor mich hindösend mit Amy und Mia auf der Brust. Wenn die zwei schnurrenden Hexen auf meiner Brust liegen ist es meistens eh vorbei mit wach bleiben und ich hole doch noch etwas Schlaf in Form eines Mittagsschläfchens nach. Oder genieße es einfach nur, ihnen das zu geben, was unter der Woche eh viel zu kurz kommt. Eine andere Wahl hätte ich eh nicht. Selbst jetzt, obwohl beide den ganzen Tag über genug Schmuseeinheiten erhalten haben, liegt Amy an meinen Arm angekuschelt auf meinem Schreibtisch, schläft und stört sich nicht daran, dass ich die ganze Zeit am Tippen bin.
An manchen Sonntagen funktioniert dieses dauerhafte Nichtstun einwandfrei. An anderen – so wie heute – merke ich spätestens um 20.00 Uhr, dass ich mich irgendwie unausgelastet fühle und noch irgendetwas tun muss. So hakt man dann doch noch ein paar Dinge von der ToDo-Liste ab, die zwar nicht für Sonntag angesetzt waren, aber in der ToDo des nächsten Tages standen.
Immerhin ein, zwei Dinge weniger, über die der Kopf nachher grübeln kann.

Wie sieht euer Sonntag oder auch einfach nur der Akku-aufladen-Tag aus? Eher die gemütliche Nichtstun-Variante wie bei mir oder muss es ein actionreicher Tag sein, sodass ihr die freie Zeit auch effektiv genutzt habt?
Ich bin gespannt auf eure persönlichen Empfindungen!

Bis die Tage,

Jess

Kommentar verfassen