Wendepunkte

Also. Um Wendepunkte von einer Funktion berechnen zu können, brauchen wir zuerst ihre Ableitung. Und zwar nicht nur die erste und zweite, sondern auch die dritte, denn sie stellt die hinreichende Bedingung für diese Berechnung dar …

Vielleicht sollte ich anfangen, meinen Unterricht über meinen Blog zu geben. So erkläre ich die Dinge nur einmal und jeder ist bedient, ich richte dazu noch einen Live-Chat ein und beantworte die Fragen am Laptop, statt von einem Schüler zum anderen zu fahren. Und es würde doch passen – das mit den Wendepunkten habe ich in diesem Jahr glaube ich schon drei mal erklärt.

Aber darum soll es heute gar nicht gehen! Keine Sorge, ich quatsche euch nicht weiter mit Mathematik voll. Aber es ist schon erstaunlich, dass mir bei „Wendepunkte“ erst dieser Satz einfällt.

Mir geht es heute viel mehr um die Wendepunkte im Leben. Ich denke, jeder kennt sie und weiß, was damit gemeint ist. Ein Umzug. Ein Schulwechsel. Eine neue Beziehung. Endlich der Abschluss! Der erste Tag im neuen Job. Der erste Tag in der Universität. Die erste Begegnung mit einem Menschen, welcher dein Leben prägen wird. Das erste, eigene Gehalt. Die letzte Klassenarbeit in der Schule. Die letzte Abschlussprüfung. Die letzte Prüfung des Studiums. Die letzte Hausarbeit. Die Liste könnte ich noch lange fortsetzen und es würde thematisch immer bunter durcheinander gehen. Aber einer der bisher prägendsten Wendepunkte in meinem Leben war der Umzug in die erste, eigene Wohnung. Und das ist jetzt genau ein Jahr her.

In der Zeit vor dem Umzug war ich ganz mit dem Renovieren beschäftigt. Ab und zu noch mit arbeiten. Der Tag begann meistens um 8.00 Uhr und endete um 21.00 Uhr, sodass irgendwann das Bloggen völlig auf der Strecke blieb. Als ich dann aber endlich wieder Zeit hatte, war mein erster Gedanke nicht die anstehende Hausarbeit, sondern der Wunsch, meinen Blog zu überarbeiten, mich wieder zurückzumelden. Meine Abwesenheit endlich für beendet zu erklären, wie ich es dann auch in einem meiner Beiträge tat. Mit neuem Design und einem neuen Lebensgefühl.

Das war am 23. April 2014. Seither ist viel passiert, ich habe viele Dinge erlebt und gelernt. Mich selbst verändert. Natürlich steckt in mir immer noch dieses kleine Mädchen mit großen Träumen und ich werde es niemals aufgeben, weil es mich in vielen Momenten daran erinnert, warum ich mich gerade durch diese oder jene Situation quäle. Weil es mich dazu bringt, weiterzumachen. Natürlich mag ich immer noch meine kleine, rosa Welt, in die ich mich gerne zurückziehe. Aber nicht nur dieses kleine Mädchen macht mich aus. Es bestimmt nicht mehr mein Lebensgefühl. In diesem einem Jahr habe ich zu sehr verändert, um weiterhin nur auf die rosarote Welt zu pochen. Wie ich das gemerkt habe?

Ganz einfach. Wenn ich mich verändere, dann muss sich auch meine Umgebung verändern. Mein Arbeitszimmer musste zuerst leiden. Am Wochenende die Küche. Und das Layout meines Blogs – nunja. Ich verspürte schon seit zirca einem Monat den Wunsch, daran etwas zu ändern. Meinen Blog wieder mehr Teil von mir werden zu lassen. Das, was ich schrieb, war immer mehr das, was ich auch empfand und zum Ausdruck bringen wollte. Aber der Rahmen drum rum gefiel mir nicht mehr zu 100%. Also suchte ich. Und bin fündig geworden. Und so wurde aus meinem alten Design das jetzige.

Untitled 4

Adieu, altes Design. Hallo neues!

Natürlich gehe ich nun nicht her und schmeiße alles Bunte aus meinem Leben, nur weil das neue Design eher schwarz-grau-weiß mit ein bisschen blau ist. Die triste, farblose Zeit habe ich in meinem Leben schon hinter mir gelassen und genieße all das Bunte in meinem Leben. Angefangen von meinem türkis-blauem Arbeitszimmer bis hin zu dem grünen Elementen in der Küche, obwohl ich grün einst gar nicht mochte.

Aber dieses Bunte und Verspielte passt nicht mehr ganz zu der Person, die ich nach Außen bin. Im vergangenen Jahr habe ich nicht nur einen Schritt nach vorne gemacht, sondern gleich zehn. Ich weiß, wer ich bin. Was ich kann. Was ich will. Wie ich das durchsetzen kann. Weiß, wie es ist, auf eigenen Beinen durch das Leben gehen zu müssen, ganz ohne Hilfe. Wie ich mich alleine durchkämpfen kann. Viele der Fragen, die mich noch vor einem Jahr beschäftigten, scheinen geklärt. Die unterschiedlichsten Aspekte in meinem Leben haben klare Linien und Konturen erhalten, einen festen, strukturierten Rahmen, der lange Zeit nicht gegeben war. Ich mag das. Und ich möchte dieses Gefühl weitergeben.

Zum ersten Mal, seit es meinen Blog gibt, habe ich ein Bild von mir im Header. Lange Zeit konnte ich nicht zu der Person stehen, die ich bin, weil ich verunsichert war. Meinen Weg noch nicht gefunden hatte. Kritik mich recht schnell hat einknicken lassen. Das ist vorbei.

Hey, ich bin die Jess! Ich bin 22, studiere Deutsch und Geschichte und liebe meine Fächer. Vor allem Geschichte, obwohl ich es vor zehn Jahren noch hasste. Nebenbei arbeite ich als Nachhilfelehrerin, unterrichte dabei manchmal auch Fächer, die ich nicht so mag, habe aber mittlerweile sogar Gefallen an Mathematik gefunden. Mein größtes Glück ist meine kleine Familie und auch wenn es absurd klingt, sage ich es mit Stolz, voll als Katzenmama aufzugehen – Kinder könnte ich momentan nicht gebrauchen. Irgendwann vielleicht. Ich liebe es, die große Schwester für drei wundervolle Menschen sein, auch wenn ich sie viel zu selten sehe. Ich habe unendlich viele Macken, aber wenn man mich etwas näher kennt, haben auch die irgendwie eine klare Linie und Struktur. Oftmals rege mich viel zu oft über Dinge auf, die eigentlich total banal sind. Ich mache mir Sorgen, die eigentlich total unberechtigt sind, fühle mich oft müde und mit den Kräften am Ende, kämpfe aber trotzdem weiter. Breche ab und zu auch zusammen und habe keine Lust mehr. Bin ein kleiner Perfektionist und stehe mir oftmals damit selbst im Weg. Gartenarbeit kann ich absolut nicht leiden, aber es gibt nichts Schöneres, als abends auf dem Balkon zu sitzen und die Wärme zu genießen, obwohl ich früher ein absolutes Herbst- und Winterkind war. Ich weiß, dass es viele Dinge gibt, die ich ändern sollte und auch irgendwann ändern werde. Aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit meinem Leben und vor allem mit mir als Mensch. Und dazu kann ich stehen. Zu mir selbst.

Ich hoffe, dass euch das neue Design gefällt, dass es mehr zu dem passt, was ich schreibe. Zu mir gehört auch mein Blog, und wenn ich mich verändere, verändert er sich mit.

Bis die Tage,

Jess

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2 thoughts on “Wendepunkte

  1. Oh, das ist toll. Und ich kann dir in Vielem sehr gut nachempfinden, wirklich! :) Mir geht es sehr ähnlich, ich weiß heute auch sehr viel besser, wer ich bin, als noch vor einem Jahr. Und ich fühle mich auch einfach sicherer mit allem – vor allem mit mir selbst. Ich weiß, wer ich bin, was ich kann, und was ich will. So einfach kann das manchmal sein. :)
    Liebe Grüße!

  2. Das freut mich, dass ich nicht die einzige bin, die so empfindet. Ich habe mir gerade deinen Blog näher angesehen und gemerkt, dass du meine Leidenschaft für Deutsch zu teilen scheinst. Du hast eine neue Leserin!
    Liebe Grüße,

    Jess

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