Ich glaube an dich. Du schaffst das.

Panik.

Ich unterhalte mich so ungern mit anderen Studenten über Prüfungsordnungen und Studiumsabläufe. Meistens habe ich dabei immer das Gefühl, unwissend und naiv durch die Gegend zu laufen, nicht zu wissen, wann mich mein Weg wohin führt. Selten habe ich das Gefühl, mithalten zu können. Gespräche über das Staatsexamen? Nein, danke. Ich bin doch erst im sechsten Semester, tappse gerade unbeholfen durch die ersten Wochen meines Hauptstudiums. Welpenschutz bitte.

„Aber du musst nun unbedingt nach Prüfern für dein Examen Ausschau halten! Ich war heute erst bei einem Dozenten und der ist für das Wintersemester 2016 fast ausgebucht…“

Panik.

Während mein Kommilitone sich einer anderen Person zuwendet, weil er diese anscheinend schon länger zu kennen scheint, befinde ich mich nun im absoluten Gefühlschaos. Eigentlich verlief mein Tag bis zu diesem Zeitpunkt blendend – einigermaßen interessante Vorlesung, viel Zeit für einen Blogeintrag und eine entspannte Mittagspause. Aber nun ist alles anders. Am liebsten würde ich mich sofort an meinen Laptop setzen und auswürfeln, bei wem ich mein Examen ablegen soll. Aber das geht ja nicht. Schließlich steht ja noch das Hauptseminar in Blockform an. Meistens bin ich wirklich froh darüber, dass ich in Situationen wie dieser nach Außen hin meistens doch das perfekte Pokerface bewahren kann. Keiner merkt mir an, dass etwas nicht stimmt und ich begebe mich einigermaßen normal in den Seminarraum.
Da der Dozent nochmal kurz weg muss, zücke ich mein Handy. In solchen Momenten gibt es nur eine Person, die mir dabei hilft, dass ich nicht den Boden unter den Füßen verliere, dass ich an dem Boden festhalte, bevor er mir ganz weggezogen wird.

Ich muss mich auskotzen. Dringend.

15 Nachrichten später, die ich auch locker hätte in eine packen können, betritt der Dozent den Raum wieder. Ich drücke einen innerlichen Knopf und konzentriere mich nur auf das Seminar, um mir erst einmal keine Gedanken über diesen neuen Aspekt machen zu müssen. Und es funktioniert einigermaßen. Die Verdrängung hat geklappt. Zumindest für 90 Minuten.
Nach Ende des Seminars begebe ich mich auf den Weg zum Auto. Noch ein paar weitere Nachrichten. Ich hetze zum Parkhaus, weil ich schnellstmöglich nach Pforzheim kommen möchte, um noch einen Nachhilfetermin wahrzunehmen und danach endlich Feierabend zu haben. Aber auch um endlich ungestört an einem Ort sein zu können. Nach Außen hin kann ich den Schein wahren, aber ich merke, dass ich für einen Moment für mich sein möchte. Es einfach rauslassen will.
Kaum sitze ich im Auto gestehe ich nicht nur mir, sondern auch ihm ein, dass ich Angst habe. Im Moment ist mir alles irgendwie zu viel und ich weiß gar nicht mehr, wie ich diesen gewaltigen Berg meistern soll. Ich stehe am Fuße des Berges und sehe nur den Gipfel, weit über mir, habe aber keine Ahnung, wie ich ihn erreichen soll.

Kurz darauf erreicht mich wieder eine Nachricht. Ich habe schon fast Heidelberg verlassen, als ich sie lese:

Du schaffst das alles.

Mir kommen die Tränen. Ich weiß, dass es genau die Worte waren, die ich in diesem Moment brauche. Und gleichzeitig sind es auch die Worte, an denen ich am meisten zweifle. Nicht, weil sie gelogen oder nicht ernst gemeint wären, nein. Meine Selbstzweifel sind in solchen Momenten so groß, dass ich einfach daran zweifle, ob ich es wirklich schaffe. Das alles. Meistens erreichen mich solche Hiobsbotschaften in Momenten, in denen ich bereits am Limit bin. Hätte ich das Ganze vielleicht nur zwei Wochen später erfahren, wäre es vielleicht viel entspannter gewesen. Aber in diesem Punkt mag mich das Schicksal einfach nicht und denkt sich „Hey. Sie ist doch gerade so schön am verzweifeln. Setzen wir noch eins drauf!“.

Das Schlimmste an der ganzen Angelegenheit ist, dass ich nicht einmal weiß, weshalb ich ständig an mir zweifle. Es gibt genug Gegenbeispiele, dass ich trotz Extremsituation einiges packen und erledigen kann. Und eigentlich weiß ich das auch. Bin stolz darauf. Aber in solchen Momenten kann ich noch so rational denken, wie ich will. Das Gefühl des Versagens bleibt. Die Zweifel nagen an mir.

Meistens wurde auch immer nur an mir und meinen Fähigkeiten gezweifelt. Nein. WIRD. Egal was ich mache, von den Menschen, von denen ich mir eigentlich nur noch ein bisschen Rückhalt und Unterstützung im Bezug auf meinen Lebensweg wünsche, höre ich meistens nur die Zweifel. „Bist du dir sicher, dass du das schaffst? Ist deine Leistung nicht zu schlecht? Nicht, dass du am Ende ohne Job dastehtst! Übernimmst du dich nicht mit allem? Ich bezweifle, dass dir das alles so gelingt, wie du dir das vornimmst.“
Mittlerweile habe ich gelernt, mich nicht mehr von dieser Hoffnung der Unterstützung abhängig zu machen. Es bringt nichts. Aber es hat mich wohl geprägt. Es sind nicht mehr die Stimmen dieser Menschen, die an mir zweifeln. Es ist meine eigene.

Du schaffst das. Ich glaube an dich.

Auch drei Tage später treiben mir diese Worte die Tränen in die Augen. Sind schuld daran, dass ich mich unter meiner Bettdecke zusammenkauere und klein mache. Mich an ihr festhalte und nach Halt suche.
Auch wenn ich sie lese und mir dabei den Klang der Stimme ins Gedächtnis rufe muss ich mit mir kämpfen. Mit all den Zweifeln kämpfen. Endlich lernen, diese Worte zu glauben. Sie mir auch mal selbst zu sagen. Aber Selbstzweifel sind so unendlich tückisch und hinterlistig, überraschen einen immer dann, wenn man sie am wenigsten erwartet.

Es tut unendlich gut, jemanden zu haben, der genau in solchen Momenten die richtigen Worte sagt. Der daran glaubt, dass man alles schaffe. Der an einen glaubt. Und es ist so unendlich wichtig, genau das zu hören, wenn man selbst am wenigsten an sich selbst glaubt, die Stimme des Zweifels so unerträglich laut ist.
Das ist wie ein Pflaster auf einer Wunde, welches dabei hilft, dass diese endlich heilen kann. Nur unendlich mehr wert.

Danke dafür.

Bis die Tage,

Jess

12 thoughts on “Ich glaube an dich. Du schaffst das.

  1. Manchmal zweifelt man einfach daran, etwas zu schaffen. Ab und zu ohne Grund. In diesem Fall ist es eher so, dass ich das Gefühl habe, nicht genug zu leisten, obwohl mein Tag teilweise brechend voll ist.
    Vielen Dank für die aufmunternden Worte! :)

    Jess

    PS: Sie dürfen mich gerne duzen. :)

  2. Hach, dem kann ich ja nachfühlen – dem Gefühl, dass das alles zu viel ist und doch alles viel zu schnell geht usw. Aus lauter Panik habe ich tatsächlich schon einen ziemlich genauen Plan, was ich wann bis zum Examen hin belege. Aber sobald jemand auch nur das Wort „Zulassungsarbeit“ erwähnt, bekomme ich ein nervöses Zucken im Auge…

  3. Darf ich fragen, wann du dein Examen machst?
    Für mich ist es gar nicht so das Problem mit dem Belegen der Seminare. Aber dass ich mich jetzt schon um meine Prüfer kümmern muss finde ich halt echt dämlich.
    Die Situation ist nun auch schon ein paar Tage her und als ich andere Studenten darauf ansprach, waren die ähnlich schockiert wie ich.
    Dieses Zucken im Auge ist wohl ein weit verbreitetes Phänomen, wenn es um das Studium geht.. :D

    Liebe Grüße,

    Jess

  4. Liebe Jess,
    ich Sieze grundsätzlich alle BloggerInnen, weil ich auch einige kenne, zu denen ich eine Sie-Beziehung habe. Das macht es einfacher.
    Nichts für ungut!

  5. Kein Problem, ich fühle mich in keinster Weise angegriffen oder Ähnliches. Ich war nur etwas irritiert, aber kann es verstehen, wenn man dazu einen guten Grund hat! :)

    Liebe Grüße,

    Jess

  6. Besonders aber, wenn es um die Zulassungsarbeit geht! Mir bereitet das die Krise, weil bei mir auch schon alle nach einem Mentor für diese Arbeit suchen. Buhuä!
    Plangemäß belege ich im HWS 2016 meine letzten Seminare (Semester 9), Examen dann in Semester 10+11, sprich das Jahr 2017 über. Argh, das klingt alles gar nicht mehr so weit weg, n’est-ce pas…
    Da ich ein Auslandssemester eingeschoben habe, verliere ich eben modulmäßig ein bisschen Zeit, weil man im Ausland eben nicht auf seine netten 30 ECTS kommt. Ansonsten wäre seminartechnisch alles weitaus entspannter, so muss ich jetzt eben im nächsten Frühjahr und Herbst einen ganzen Haufen belegen (diesen Herbst mache ich das Praxissemester).

  7. Buhuä trifft es! :D
    Bei mir ist es ähnlich wie bei dir, nur plane ich mein Examen spätestens im Wintersemester 2016 zu machen. Ich hatte mein Praxissemester schon, würde gerne wieder an die Schule zurückkehren und habe dann auch noch mitbekommen, dass zum Schuljahr 2018/19 eine Lehrerin in Rente geht, die genau meine Fächer hat. Da regt sich halt schon in einem die Hoffnung auf diesen Platz, vor allem weil an dieser Schule schon der ein oder andere Referendar übernommen wurde, als eine Stelle frei wurde.

    Ich kann mir vorstellen, dass das Auslandssemester einerseits eine wunderbare Erfahrung ist, andererseits eben dieses Semester fehlt, wenn es um die ECTS Punkte geht. Allein das Praxissemester weckt bei mir schon das Gefühl, dass mir in diesen drei Monaten wahnsinnig viel Zeit verloren gegangen ist. Aber etwas mehr Seminare belegen beruhigt da das Gewissen.
    Ich denke, du hast dein Studium echt super im Griff und musst eigentlich gar nicht so eine „Panik“ haben. Es liest sich zumindest alles sehr vernünftig und durchdacht! (Und ich habe schon viel Gegenteiliges von meinen Kommilitonen gehört..)

    Liebe Grüße,

    Jess

  8. Oh, das ist aber sehr ambitioniert, schon eine Stelle im Blick – nice! ;)

    Ja, wäre ich nicht ins Ausland gegangen, hätte ich das auch zum Wintersemester 2016 geschafft vermutlich. Allerdings habe ich jetzt halt mit Praxis- und Auslandssemester nur etwa 8 statt 10 Semester, weil ich im Ausland eben gerade mal 2 Kurse anerkannt bekomme – statt der üblichen 6-9, die man zuhause belegt. Deshalb wird das ganz schön stressig im Jahr 2016… :/
    Durchgeplant ist es aber schon, ja, denn alles andere würde mir eher Sorgen bereiten.

    Wenn du aber schon Ende 2016 dein Examen machen willst, musst du dich ja tatsächlich bald um die – buhuä – Zula kümmern. Weißt du denn schon, in welchem Fach (oder gar in welchem Thema) du das machen möchtest? Ich habe mich noch nicht einmal für ein Fach entschieden. :D

  9. Man muss halt schauen, wo man bleibt.. und gerade an der Schule wäre ich überaus glücklich.

    Auch wenn es recht stressig ist, es ist machbar. Ich habe im zweiten Semester insgesamt so viele Kurse gehabt, dass ich auf 45 ECTS Punkte kam, dieses Semester komme ich auf 53 bis 55 ECTS Punkte. Und wenn man sich ranhält, dann packt man das auch. Aber umso unverständlicher sind für mich die, die die Regelstudienzeit so extrem überschreiten.

    Ich muss meine mündliche Prüfung in beiden Fächern absolvieren, nur die wissenschaftliche Arbeit darf ich in einem Fach machen. Das wird wohl Geschichte sein, weil ich da höchstwahrscheinlich zwei Semester früher fertig bin als in Deutsch und weil mir Geschichte als Studienfach irgendwie mehr zusagt. Mal schauen. :D

    Liebe Grüße,

    Jess

  10. Wie das Staatsexamen in BaWü läuft, weiß ich, das mache ich ja auch ;) also die beiden mündlichen Prüfungen und die Zula eben in einem Fach. :P
    Geschichte, okay, cool! :) Ja, es ist ja auch ein bisschen eine strategische Entscheidung, weil das, was du in der Zula machst, in der Prüfung ja weniger Platz einnehmen wird.
    Ich hatte bisher auch immer Semester mit etwa 40 ECTS im Schnitt, aber ja, dank des Auslands müssen es jetzt auch gute 55-60 werden. Mal sehen, wie das im nächsten Frühjahr dann läuft. Machbar ist es, ja – ich verstehe auch nicht, wie man die Regelstudienzeit so krass überschreiten kann, beim besten Willen nicht. Naja. ;)

  11. Wir beide sind einfach vorbildliche Studenten und nicht die typischen „Ach ihr Studenten führt so ein tolles und entspanntes Leben“- Studenten. :D

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