Gedanken im April

Es ist Sonntag, 21. 45 Uhr. Links neben mir stapelt sich auf bedrohliche Weise mein Unizeug, rechts von mir mein Kalender und mein Blognotizbuch, in welches ich seit dem 05. April nichts mehr eingetragen habe. Das ist fast schon einen Monat her. Ich blättere durch die Einträge, lese mir meine Stichpunkte durch. Die ganzen Sätze, die ich niedergeschrieben habe, wenn ich einen neuen Blogpost vorbereitete. Irgendwie ist dieses Notizbuch wie ein kleines Tagebuch für mich geworden, in welchem hinter indirekten Worten meine gesamte Gedankenwelt verborgen liegt. Ich kann mich an all die Situationen erinnern, in welchen ich etwas in dieses Büchlein geschrieben habe. Aber seit fast einem Monat herrscht eine bedrückende Leere.

Diese Leere traf man in den vergangenen drei Wochen auch auf meinem Blog wieder. Irgendwie auch in meinem Leben. Wer mich kennt weiß, dass ich immer eine gewisse Zeit brauche, mich an neue Situationen zu gewöhnen, und das darunter dann alles leidet. Naja. Gut. Nicht alles. Aber Dinge, die ich schmerzfreier von meiner ToDo-Liste streichen kann als das Kochen oder Aufräumen, Wäsche waschen oder Bügeln.

Wenn ich zurückblicke kommt es mir vor, als würden all diese Einträge aus einer ganz anderen Zeit stammen. In der ich motiviert, wahnsinnig strukturiert und zielgerichtet war. Im Vergleich dazu war ich in der letzten Aprilwoche das genaue Gegenteil davon. Es ist faszinierend, was alles innerhalb eines Monats passieren kann, wie das eigene Leben irgendwie völlig umgekrempelt wird. Oder eben auch nicht. Und genau deshalb habe ich mich diesen Monat dazu entschlossen, dem absoluten Bloggerklischee zu folgen und einen Monatsrückblick zu schreiben.

Vor genau vier Wochen war Ostersonntag. Und das bedeutet auch, dass meine letzten wirklichen freien Tage bereits einen Monat her sind. Puuh. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch genau eine Woche, bis mein Studium wieder losgehen sollte, und doch war von wirklicher Freizeit keine Rede. Denn wenn eines den Monat April dominiert hat, dann war es das Arbeiten. Eine meiner Schülerinnen hat am Dienstag ihre letzte Prüfung geschrieben und bis zu diesem Zeitpunkt war ich täglich bei ihr. Bis auf Sonntag. Und das natürlich auch mehrere Stunden, neben meinen anderen Schülern, die ich in den letzten drei Wochen auf vier Tage verteilen musste, weil mein Montagnachmittag komplett mit Seminaren belegt war.

Und irgendwie hat mich das ausgelaugt. Dafür gesorgt, dass ich absolut genervt von diesem Job bin und am liebsten alles hinschmeißen würde. Es macht gerade absolut keinen Spaß mehr. Und dazu kommt auch noch, dass manche meiner Schüler oder ihre Elternteile so vieles als selbstverständlich hinnehmen. Erst Donnerstag habe ich mich extrem aufgeregt, weil ein Termin erst abgesagt wurde, und dann zehn Minuten, bevor ich das Haus verlassen musste, die Nachricht kam, dass er doch stattfinden könne. Als ich bei diesem Schüler ankam, erhielt ich nicht einmal eine Entschuldigung für dieses Chaos, für das Gefühl, springen zu müssen, sobald man schnippe. Weder vom Schüler, noch von der Mutter. Sie setzten dem ganzen noch die Krone auf, indem beide wie selbstverständlich davon ausgingen, dass ich zusammen mit dem Schüler eine komplette Buchpräsentation auf die Beine stellen würde, wenn ich nächste Woche käme. Mir platzt da einfach der Kragen. Tut mir leid, ich bin Nachhilfelehrerin, keine Ersatzmutter, auch wenn es nichts Neues ist, dass der Teil „Eltern“ mit dem Teil „Lehrer“ verschmilzt. Zumindest aus gesellschaftlicher Ansicht. Ich könnte mich jetzt schon wieder in Rage schreiben, weil ich diese Angelegenheit noch nicht verdaut habe. Und umso dankbarer bin ich dafür, morgen einfach keinen einzigen Nachhilfetermin im Kalender stehen zu haben. Umso verzweifelter blicke ich auf den Dienstag, an dem gleich vier Termine drin stehen und ich für diese Termine 75 Kilometer durch die Gegend fahren muss. Man. Ich. Mag. Einfach. Nicht. Mehr.

Neben dem Arbeiten stand natürlich in Heidelberg sein ganz hoch im Kurs, wenn es darum geht, wo ich die meiste Zeit im April verbracht habe. Es ist anstrengend, aber es macht Spaß. Ich komme voran. Zwar habe ich im Juli vier Prüfungen zu absolvieren und im September vier Hausarbeiten abzugeben, aber es sind vier Prüfungen und Hausarbeiten weniger, die mich von meinem Abschluss trennen. Der macht mir zwar etwas Angst, weil alles auf einmal so schnell geht, aber das ist mein Ziel. Das möchte ich nicht aus den Augen verlieren. Und je schneller ich mich durch diese Zeit an der Uni kämpfe, umso schneller bin ich hoffentlich weg von meinem Nebenjob.

Im April stand auch das Projekt „Balkon 2.0“ an. Von der anfänglichen Idee, einfach Stühle und einen schönen Tisch zu kaufen, wenn ein ansprechendes Exemplar im Angebot ist, sind wir relativ schnell wieder abgekommen. Umso schneller waren dann auch die Einwegpaletten auf dem Balkon, die einmal zu lasieren waren. Und wie es halt mit solchen spontanen Projekten immer ist: Sie dauern viel länger, als man zu Beginn denkt. Auch jetzt ist es noch nicht ganz fertig – ich warte sehnsüchtig auf die Lieferung der Polster – aber ich finde, das zwischenzeitliche Ergebnis kann sich doch sehen lassen:

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(Und ja, ich habe daran mitgearbeitet! Wann? Abends bei Dämmerlicht und eher schlechtem Balkonlicht jeweils eine Stunde, und ich habe dafür einen ganzen Sonntag geopfert. Und nein, ich schäme mich kein Stück dafür, dass der heilige Sonntag für dieses Projekt geopfert wurde!)

Neben all diesen Aspekten bin ich im April auch noch dreimal zum Tierarzt gerannt. Nichts Dramatisches, zum Glück, aber Amy und Mia mussten daran glauben und kastriert werden. Mittlerweile ist alles bestens verheilt und am Bäuchlein wächst ihr Fell ganz langsam nach. Die beiden genießen es sogar ausgiebig, wenn man sie genau an dieser Stelle krault. Dennoch bin ich froh, dass ich sie vorerst nicht noch einmal beim Tierarzt abgeben muss. Die Stunden, die ich ohne sie alleine zu Hause verbrachte, waren unerträglich ungewohnt.
[Wie passend, dass Amy genau in diesem Moment mauzend zu mir aufblickt und gestreichelt werden will. Tiere sind so etwas Wunderbares und Kostbares. :) ]

Worauf ich am meisten stolz bin ist, dass ich mir ein bisschen Ausgleich verschaffen konnte. Zwar ging mein komplettes Datenvolumen für diese Aktion drauf, aber ich habe mir während meiner Fahrten nach Heidelberg ein Hörbuch angehört und gemerkt, wie gut mir das tat. Auch wenn es nicht dem Lesen gleichkommt, aber es konnte mich doch in eine andere Welt entführen, weg von all den Gedanken rund um Uni, Arbeit, Haushalt und sonstigem Kram.
(Wen es interessiert: Ich höre mir derzeit Crossfire von Sylvia Day an. Diese Reihe habe ich bereits vor einem Jahr gelesen und da zwischenzeitlich ein vierter Band erschienen ist, möchte ich mein Gedächtnis wieder etwas auffrischen, bevor ich ihn lese.)
Und ich habe mit etwas begonnen, was mich schon als kleines Kind immer wieder zur Ruhe gebracht hat. Zwar hat mich das die ein oder andere Stunde Schlaf gekostet (weil ich ein Mensch bin, der einfach nicht aufhören kann, bevor etwas beendet ist), aber das habe ich in Kauf genommen.
Das war eines der besten Ostergeschenke, die ich erhalten habe:

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Neben all dem war ich dann noch irgendwie Hausfrau und Freundin. Fragt mich nicht, wie. Ich habe es irgendwie hinbekommen, all das unter einen Hut zu bringen, fühle mich aber müde. Und hoffe, dass es im Mai etwas entspannter zugeht, ich wieder mehr in mein Büchlein schreiben kann, mehr mit euch teilen kann.

Bis die Tage,

Jess

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