Endlich vorbei

uni

Wir schreiben den 1. August 2015. Endlich. Lange Zeit war mir klar, dass der Juli wohl der schlimmste Monat im Jahr sein wird und ich kann gar nicht in Worte fassen, wie glücklich ich darüber bin, dass er jetzt vorbei ist.
Seit meinem letzten Post am 12. Juli habe ich mich ziemlich aus der Onlinewelt zurückgezogen. Keine Ablenkung, keine unnötigen Zeitfresser, die mir die Zeit rauben, um für die Uni zu lernen. Gleichzeitig stand in diesen zwei Wochen so viel an: Mein Bruder hatte eine Woche zuvor Geburtstag und das wurde gleich zwei Mal gefeiert. Meine Geschwister waren bei mir, damit ich noch einmal ein Wochenende mit ihnen genießen konnte, bevor sie in den Urlaub fahren. Ich hatte meine letzten Seminare in der Uni, darunter vier Blockseminare. Zudem war ich bei den Fachstudienberatern meiner Fächer, um zum einen das Thema BAföG wieder in Angriff zu nehmen und gleichzeitig herauszufinden, was ich alles bei meinem Staatsexamen beachten muss. Auch habe ich geplant, wie meine nächsten beiden Semester verlaufen werden. Mein Stundenplan für das nächste Semester steht auch schon in groben Zügen. Und neben all dem habe ich gelernt.

Obwohl ich dieses Semester verhältnismäßig wenig Prüfungen hatte, habe ich mir wohl mehr Gedanken um diese gemacht als in allen Semestern zuvor. Zum ersten Mal wurden alle Prüfungen benotet – es ging also nicht nur um den geringsten Aufwand. Und der Ehrgeiz, immer eine Spitzenleistung zu liefern, war auch wieder geweckt. Also habe ich gepaukt und gepaukt. Habe Amy und Mia verrückt gemacht, weil ich wie eine Verrückte durch das Wohnzimmer getigert bin und mir während meiner Lauferei Daten über deutsche Epochen in den Schädel geknallt habe. Bin von Träumen aufgewacht, in denen römische Kaiser und deutsche Dichter miteinander gekämpft haben. Tagsüber hatte ich nichts anderes im Sinn als den Prüfungsstoff, nachts hat mein Hirn das Gelernte verarbeitet und mir die absurdesten Träume beschert.

Das klingt nun mega fleißig und strebermäßig. So ist es aber nicht. Für meine Prüfungen habe ich mir insgesamt sechs Tage Zeit gegeben, an denen ich wirklich nur gelernt habe. Sämtliche Vorbereitung für das Lernen – das Sortieren meiner Mitschriften, das Vervollständigen, das Zusammenfassen – lief nebenbei, als ich noch voll im Semester und im Arbeiten drin steckte. Und im Nachhinein ärgere ich mich darüber. Ich hätte mir viel mehr Zeit geben sollen, um lernen zu können. Viel früher „Nein“ zu meinen Schülern sagen sollen. Aber als ich das merkte, war das Kind schon in den Brunnen gefallen und ich habe versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Gott sei Dank ist mir das irgendwie gelungen, zwar nicht ganz so, wie ich es mir gewünscht habe, aber es kam auch nicht zur völligen Katastrophe. Trotz allem habe ich meine beste schriftliche Klausur während meiner gesamten Unilaufbahn geschrieben. Trotz Krankheit an einem meiner Prüfungstage noch eine recht gute Note erhalten. Für andere wäre sie wohl absolut zufriedenstellend, für mich ist sie „nur“ okay – scheiß Perfektionismus.

Den größten Fehler, den ich wohl während dieser gesamten Zeit begangen habe, war es, mir alle anderen nebensächlichen Aktivitäten und Gedanken zu verbieten. Und mit verbieten meine ich tatsächlich verbieten. Mein Kopf lechzte nach Ausgleich, mir kamen wohl so viele Ideen für Blogposts wie nie zuvor, während der vielen Stunden im Stau habe ich im Geiste Romane geschrieben. Nur habe ich all das nicht niedergeschrieben. Dafür hatte ich keine Zeit. Oder eher gesagt: Mein schlechtes Gewissen hatte dafür keine Zeit. Dieses Hardcore-Lernen war die Strafe dafür, dass ich viel zu spät dran war und wie hätte ich auch nur eine vernünftige Zeile niederschreiben können, wenn ich wusste, dass ich in der gleichen Zeit ein ganzes Blatt auswendig lernen konnte.

Ich weiß, dass diese Ansicht völlig falsch ist. Dass ich es mir durchaus erlauben kann, mal eine Stunde oder sogar zwei an einem Blogpost zu arbeiten, für eine halbe Stunde ein Buch zu lesen, mich beim Sport zu verausgaben. Aber wenn man nicht weiß, wo einem der Kopf steht, wird meistens genau das gestrichen, was man eigentlich am meisten bräuchte.

Das Ende vom Lied war natürlich völlige Erschöpfung, als ich am Donnerstagabend nach meiner letzten Prüfung endlich auf der Couch saß und es mir gönnte, mich zu entspannen. Man merkte mir sofort an, dass das Schlimmste vorüber war und allein der Hinweis darauf genügte, um all das hochkommen zu lassen, was ich mir in den zwei Wochen verboten habe. Manche sehen es vielleicht als Schwäche an, dass man weint. Ich habe mich so wahnsinnig erleichtert gefühlt, als mir die Tränen gekommen sind und ich einfach zulassen konnte, dass mich diese zwei Wochen doch mehr mitgenommen haben, als ich dachte.

Als ich gestern aufgestanden bin, fühlte ich mich frei, unbeschwert. Und gleichzeitig völlig antriebslos. Ich hatte mich so darauf gefreut, endlich wieder einen Post schreiben zu können, habe meinen Laptop aber nach zehn Minuten wieder weggelegt, weil einfach noch nicht die Zeit dafür gekommen war. Also habe ich das getan, was viele machen, wenn sie einfach ihre Freizeit genießen wollen: Mich ins Bett gelegt, mir mein Tablet geschnappt und gelesen. Lange. Ich habe gegen 15 Uhr angefangen und bis heute Nacht um 3 Uhr gelesen, nur mit einer „kurzen“ Unterbrechung, um etwas zu essen. Wie sehr ich mich nach diesem Ausgleich gesehnt hatte, war mir gar nicht klar gewesen. Und wahrscheinlich würde ich immer noch lesen, statt diesen Post zu tippen, wenn der Akku meines Tablets nicht leer wäre. Was anderes ging gestern einfach nicht. Ich wollte nicht schon wieder an einer blöden ToDo-Liste hängen und diese abarbeiten. Auch heute fällt mir das noch schwer. Aber ich kämpfe gegen dieses Energieloch an, welches entsteht, wenn eine stressige Phase endlich vorbei ist.

Genau deshalb sitze ich nun auch hier und tippe diesen Post. Und merke, dass auch das mir sehr gefehlt hat. Ich hoffe, dass mir während meiner Abwesenheit nicht zu viele Leser abhanden gekommen sind, dass ihr mir nicht böse seid, weil ich zwei Wochen still war, und dass ihr euch gemeinsam mit mir auf viele weitere Blogposts freut – die nun auch wieder regelmäßiger veröffentlicht werden.

Bis die Tage,

Jess

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