Ich stehe auf der Stelle und weiß nicht, wie ich weiterkomme.

Heute ist Sonntag. Eigentlich sollte heute ein Sonntagsgedankenpost online gehen – etwas, was ich mir vor zwei Monaten fest vorgenommen hatte. Ja. Hatte. Ich habe das Gefühl, dass alle Strukturen, die ich in den vergangenen vier Monaten aufgebaut habe, die mir in einer wahnsinnig anstrengenden und stressigen Zeit Halt und Sicherheit gegeben haben, nun vollkommen falsch sind. Es fühlt sich alles wie ein Gefängnis an. Jedes Mal, wenn ich mich im Laufe der vergangenen Woche hinsetzen wollte, um etwas niederzuschreiben, blieb mein Kopf leer. Ich habe angefangen, war unzufrieden, habe wieder aufgehört. Die Unzufriedenheit steigerte sich noch mehr, weil ich mit jedem Tag, der ohne neuen Blogpost verstrich, enttäuschter von mir selbst war. Ich habe mich so nach diesem Ausgleich gesehnt, und nun funktionierte nichts mehr. Jetzt weiß ich auch warum.

Auf der Stelle treten ist nervig, ermüdend, anstrengend. Ich bin keinen Schritt vorwärts gekommen und habe mir auch nicht erlaubt, einen Schritt zurückzutreten, um mir die Situation mit etwas Distanz anzusehen, eventuell nach einem neuen Weg zu suchen. Also habe ich angefangen, mich zu verstecken, bin vor allem geflohen, was mir das Gefühl gegeben hat, nicht mehr weiterzukommen. Die gesamte letzte Woche habe ich mich in meine Bücher und in den Sport geflüchtet, nur um mir keine Gedanken über das zu machen, was bei mir für Unzufriedenheit sorgt. Aber irgendwann hat es „Klick“ gemacht. Klassisch unter der Dusche natürlich.

Als ich nach meinem letzten Post über weitere Themen nachgedacht habe, sind mir ganz oft die Worte „du musst“ durch den Kopf gegangen. Du musst einen Sonntagspost veröffentlichen. Du musst einen „Gedanken im Juli“ Post schreiben, obwohl du das Gefühl hast, im Juli nichts anderes als an die Uni gedacht zu haben. Du musst überlegen, ob du Bilder machst, um dem ganzen etwas mehr Frische zu verleihen. Du musst überlegen, wie diese Bilder auszusehen haben. Du musst dich an den Laptop setzen und dich in etwas Neues einlesen, weil das, was du bist jetzt weißt und kannst, nicht mehr dem genügt, was du eigentlich gerne hättest. Du musst..
Es war wie eine Endlosschleife. Und dieses ganze „du musst“ hat mich blockiert. Nicht nur auf meinen Blog bezogen, aber vor allem beim Schreiben.

Momentan habe ich so die Nase voll von ToDo-Listen. Eigentlich sollte ich mir aufschreiben, was ich noch alles erledigen muss, aber ich möchte es nicht. Ich will mir nicht ansehen, wie viel Arbeit mich erwartet. Ich möchte nicht daran denken, dass ich so viel für die Uni zu tun habe, dass für meine Semesterferien keine Zeit bleiben wird, während andere im Facebook, Twitter oder auf Snapchat darüber berichten, wie sehr sie die Ferien derzeit genießen. Ich will meine Verpflichtungen vergessen. Zumindest für ein Weilchen. Einfach nur frei sein. Das tun, was ich möchte, ganz ohne Druck. Aber das geht nicht. Nein. Das kann ich mir nicht leisten. Und das stimmt mich so unendlich traurig.

Ich möchte in meinem Leben vorankommen. Schon lange habe ich das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Das Studium geht voran, aber ich bin immer noch Studentin, immer noch in der Ausbildung. Immer noch rede ich von Prüfungen und Abgabeterminen, während alle um mich herum arbeiten. Diesen Zustand fand ich schon ätzend, als ich mich durch die letzten Monate meiner Schulzeit quälen musste, und dieses Gefühl wiederholt sich nun. Natürlich, ich arbeite nun. Ich ermögliche mir viele Dinge, die zur Zeit meines Abiturs nicht möglich waren, wohne in einer anderen Umgebung, bin mit dem, was mich umgibt, im Großen und Ganzen zufrieden. Aber mein Hauptproblem ist immer noch da: Ich befinde mich immer noch in meiner Ausbildung. Und es zieht sich so verdammt lange. Zwar ist das Ende nun so langsam in Sicht, aber es ist immer noch ein ganzes, verfluchtes Jahr, das mich wohl wahnsinnig viele Nerven kosten wird.

Zudem habe ich auch das Gefühl, in meinem Nebenjob auf der Stelle zu treten. Ich brauche neue Herausforderungen und das ist in diesem Job nicht gegeben. Weiterentwicklung Fehlanzeige. Und ständig beschleicht mich das Gefühl, dass ich mir mit dem Nebenjob im Wege stehe, wenn es um meine berufliche Ausbildung geht. Gleichzeitig kann ich aber nicht einfach alles hinwerfen. Dazu bin ich viel zu vernünftig, dazu mache ich mir viel zu viele Gedanken darum, ob ich durch so einen Schritt nicht so viele Leute im Stich lassen würde. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann mache ich es derzeit auch nicht aus Liebe zu der Arbeit, sondern nur aus Liebe zu meinem Geldbeutel. Wobei das vielleicht auch daran liegt, dass ich das Gefühl habe, mir mit dieser Arbeit selbst im Weg zu stehen.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen fehlt es mir in meiner Freizeit an Fortschritt. Und zwar völlig. Am Montag habe ich nach fünf Monaten endlich mal wieder ein Buch durchgelesen. Ein wahnsinniges Erfolgserlebnis. Mein Notizbuch für meinen Blog habe ich seit Mitte Juni nicht angerührt. In meinem Regal stapeln sich die Notizbücher, die ich gerne füllen würde, aber nein. Die Idee, ein Tagebuch zu schreiben, um etwas Ordnung in mein Kopfchaos zu bringen, naja. Sie existiert. Mit dem Sport habe ich direkt nach meiner Prüfungsphase wieder angefangen, aber ich bin immer noch nicht auf dem aktuellsten Stand. Diese Liste könnte ich endlos fortsetzen. Und ich würde immer zum gleichen Schluss kommen: Ich stehe auf der Stelle und weiß nicht, wie ich weiterkomme.

Ich weiß, dass sich etwas ändern muss. Zwar weiß ich noch nicht in allen Lebensbereichen, was ich verändern muss, aber was meinen Blog angeht ist mir einiges klar geworden: Ich sollte aufhören, mich selbst so unter Druck zu setzen. Wenn aus einem Sonntagspost ein Post wird, der sich um ein spezielles Thema dreht und ich ihm dementsprechend eine andere Überschrift verpasse, dann ist das halt so. Wenn es in einem Monat keinen „Gedanken im …“ Post gibt, weil mein Kopf sich wie ein leeres Glas anfühlt, dann ist das halt so. Der Ausgleich am Schreiben war die Unverbindlichkeit, die Flucht von Sätzen, die mit „Du musst“ oder „Du solltest“ beginnen. Und diesen Ausgleich möchte ich wieder, damit ich nicht weiterhin auf der Stelle trete, was meine Gedanken angeht.

Bis die Tage,

Jess

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