Antrieb. Und dann?

Beginne mit dem Notwendigen, dann tue das Mögliche –
und plötzlich wirst Du das Unmögliche tun.

Franz von Assisi

 

Nichts funktioniert ohne Antrieb. Am wenigsten wir Menschen. Wenn es irgendetwas gibt, was uns antreibt – sei es der eigene Wille, der Druck von Außen oder einfach nur der Überlebenswille, dann wachsen wir mit unseren Kräften über uns hinaus, ermöglichen Dinge, die in Erzählungen wahnsinnig beschwerlich klingen, in der Realität aber recht einfach waren. „Was? Du hast dir das ehrlich so angetan? Das war doch ganz schön schwer, oder etwa nicht?“ Nein, war es nicht. Zumindest nicht, als ich noch den Antrieb hatte. Mittlerweile weiß ich, dass ich mir wohl einige Sachen schön geredet habe, nur um meinen Antrieb nicht zu verlieren. Aber was bleibt, wenn dieser auf einmal wegfällt?

Nicht viel. Das habe ich die letzten zwei Wochen gelernt. Einerseits habe ich es genossen, dass dieser Antrieb weg war. Endlich. Ich habe mir schon lange keine Tage gegönnt, an denen ich einfach nur das gemacht habe, wonach mir der Sinn stand. Und das war bei weitem nicht nur „Nichts tun“. Gefühlt habe ich nicht viel Zeit zu Hause verbracht, war viel unterwegs, habe Sachen gemacht, von denen ich früher nicht einmal ansatzweise geträumt hätte. Und es tat gut. Tut gut. Wenn der Antrieb erst einmal weg ist, dann merkt man wieder, was einem gefehlt hat. Und so folgt auf das absolute Motivationsloch ein neuer Antrieb für ganz andere Dinge.

Andererseits habe ich meine Pflichten ziemlich vernachlässigt. Der volle Stundenplan des letzten Semesters und ein paar Altlasten führen dazu, dass ich in der vorlesungsfreien Zeit viel zu tun habe. Und dafür hatte ich absolut keinen Antrieb mehr. All die Dinge, mit denen ich meinen Tag gefüllt habe, hatten rein gar nichts mit dem zu tun, was ich in der Zeit zuvor immer gemacht habe. Mein Studium hatte für zwei Wochen nicht mehr die höchste Priorität. Anfangs hat mich das in den Wahnsinn getrieben, die Gewissensbisse wurden immer größer.

Aber jetzt sehe ich das gar nicht mehr so eng. Ich werde das schon irgendwie schaffen, wie immer. Bis jetzt ist mir das immer gelungen, auch wenn ich im Nachhinein selten sagen kann, wie. Auch wenn das letzte Semester noch gar nicht so lange her ist, weiß ich nicht mehr, wie ich es geschafft habe, die Seminare und Vorlesungen und nebenbei noch 20 Stunden Arbeit in der Woche unter einen Hut zu bekommen. Der Antrieb für solche Sachen kommt immer ganz von alleine, lässt mich bis tief in die Nacht wach bleiben und morgens um sieben Uhr wieder aufstehen.

Vielleicht habe ich die letzten zwei Wochen nur Urlaub gebraucht. Urlaub von diesem Antrieb, dem stressigen Studentenleben, der Arbeit und den damit verbundenen nervigen Situationen. Vielleicht ist dieser Urlaub vorbei und ich finde endlich auch wieder den Antrieb für das „Alte“. Vielleicht brauche ich aber auch noch eine Woche.

Ziemlich viele „vielleichts“. Und eigentlich passt vielleicht gar nicht zu mir. Aber momentan bin ich mit diesen vielleichts ganz zufrieden.

Bis die Tage,

Jess

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