Die kunterbunte Welt der Blogger [Sonntagsgedanken »6«]

Stille. Nichts als Stille. Hier auf meinem Blog war es die vergangene Woche ruhig, weil ein Blogumzug ins Haus steht und es sich ziemlich zieht. Es hat sich bis heute auch noch nichts getan und dementsprechend habe ich beschlossen, doch wieder zu bloggen, statt weiter stillschweigend abzuwarten. Meine Stille bot mir aber auch die Möglichkeit, wieder vollends in den Genuss der kunterbunten Bloggerwelt zu kommen und festzustellen, dass das irgendwie gar nicht meins wäre.

Als ich meinen Blog ins Leben gerufen habe, war mein Hauptgedanke das Führen eines Tagebuchs. Im Nachhinein erscheint mir das etwas lächerlich, zumindest auf die Art und Weise, wie ich es damals begonnen habe. Ich habe in meinen Beiträgen viel zu wenig Platz für Gedanken gelassen, viel mehr chronologisch erzählt und wie kann ich erwarten, dass das jemanden interessiert, wenn ich es selbst im Nachhinein eher langweilig und öde finde. Also habe ich an meinen Beiträgen gearbeitet. Mehr Raum für meine Gedanken eingeräumt. Habe mich bemüht, Themen anzusprechen, die mir vielleicht schwieriger fielen als andere, die aber bestimmt den ein oder anderen ebenfalls beschäftigen. Aber hauptsächlich bringen mich meine Beiträge nun selbst viel weiter, wenn ich sie mit einem gewissen Abstand lese.

Ich weiß, dass ich mit meinen Texten nicht perfekt bin – und das möchte ich auch gar nicht sein – , aber ich weiß auch, dass meine Beiträge nicht uninteressanter Müll sind. Das bekomme ich unter anderem auch durch die wenigen Menschen mit, die meine Beiträge kommentieren und ich freue mich über jedes Wort, das ich von euch als Feedback lese. Irgendwie bin ich Teil dieser ganzen Bloggerwelt, aber irgendwie auch nicht. Denn wenn ich eins nicht verstehen kann, ist es die Tatsache, dass manche tatsächlich den größten Müll schreiben können, darunter 30 Kommentare stehen haben, 1000 Instagram- und Facebook-Likes und zig Sternchen bei Twitter. Und zur gleichen Zeit bleibt ein Post von mir, mit dem ich mir riesige Mühe gegeben habe und der inhaltlich das Zehnfache zu bieten hat, unkommentiert.

Ich höre schon die ersten Stimmen, die nun „Aber du machst das doch nicht für die Kommentare, die Likes oder die Sternchen!“ rufen und im gleichen Moment ist mir bewusst, dass eine dieser Stimmen in meinem Kopf zu hören ist. Als ich mit meinem Blog begonnen habe, habe ich es nicht für Kommentare, Likes, Herzchen und Sternchen gemacht. Und ich mache es auch heute nicht. Aber ich freue mich ehrlich und aufrichtig darüber, dieses Feedback zu erhalten und frage mich gerade in Situationen wie der oben beschriebenen, was ich falsch mache. Oder ob ich überhaupt was falsch mache. Als ich mich das erste Mal intensiv mit der kunterbunten Bloggerwelt und den schönen Bildchen beschäftigt habe, war in mir der Reiz geweckt, meine Worte durch Bilderstrecken wie bei anderen Bloggern besser zu verkaufen. Aber damit würde ich nur mich selbst verkaufen. Ebenso wie mit Beiträgen, die zwar Leser anlocken, aber nicht mir selbst entsprechen.

Und genau das werde ich an dieser kunterbunten Bloggerwelt nicht verstehen. Natürlich ist es nichts Neues, dass man sein geschriebenes Wort verkauft, aber es irritiert mich sehr, dass man etwas, was man vor langer Zeit aus Beweggründen, die dem tiefsten Eck des Herzens entstammen, begonnen hat, offensichtlich immer mehr verkauft, nur um sich selbst besser darzustellen. Natürlich kann man mit vielen Lesern und Followern wunderbar Geld verdienen, natürlich bekommt man mit einem erfolgreichen Blog immer mehr Artikel zugeschickt, weil die Unternehmen ja ihre Produkte auf diesen lukrativen Plattformen positionieren möchten. Aber ist es das wert, sich deshalb so zu verstellen, sich selbst so zu verlieren?

Ich hätte mich wohl verloren, wenn ich angefangen hätte, jeden Beitrag mit Bilderstrecken zu versehen, obwohl mir gerade nicht nach fotografieren ist, nur um so mehr Leser anzulocken. Ich möchte, dass mich meine Leser gerne lesen, weil sie mich auf meinem Weg begleiten möchten, nicht weil ich ihnen immer schöne Bilder mit versteckter Werbung serviere oder etwas schreibe, was man von mir hören möchte. Ich kann es verstehen, dass man seinen Blog irgendwie finanzieren möchte, ich kann es auch verstehen, dass man gewisse Dinge macht, die Geld einbringen, wenn man dabei nicht sich selbst verliert. Aber ich kann es nicht verstehen, wenn man auf Biegen und Brechen seine Leser manipulieren will.

Die kunterbunte Welt der Blogger ist meistens eine wunderbare Scheinwelt. Ich wäre dafür, dass man wieder mehr Aufmerksamkeit den Leuten schenkt, die einen Blog dazu nutzen, wofür er ursprünglich gedacht war: Um ein Stück weit zu sich selbst zu finden.

Bis die Tage,

Jess

PS: Ja, es ist gewollt, dass da ein neues Bildchen als Header des Sonntagsgedankenposts ist. Ich probiere mich noch aus, welches mir am besten gefällt. :)

2 thoughts on “Die kunterbunte Welt der Blogger [Sonntagsgedanken »6«]

  1. „Im Nachhinein erscheint mir das etwas lächerlich.“
    Das kann ich nicht nachvollziehen.

    „Denn wenn ich eins nicht verstehen kann, ist es die Tatsache, dass manche tatsächlich den größten Müll schreiben können, darunter 30 Kommentare stehen haben, 1000 Instagram- und Facebook-Likes und zig Sternchen bei Twitter. Und zur gleichen Zeit bleibt ein Post von mir, mit dem ich mir riesige Mühe gegeben habe und der inhaltlich das Zehnfache zu bieten hat, unkommentiert.“
    So ist es. Kommentiert werde ich kaum, von wenigen Menschen, über die ich mich sehr freue, z. B. Herrn Rau oder eine „Anonyma“. (Würde mich auch über Sie freuen.)
    Gelesen werde ich manchmal von 15 Menschen pro Tag, manchmal von 150.

    „Die kunterbunte Welt der Blogger ist meistens eine wunderbare Scheinwelt.“
    Da haben Sie recht. Und: Braucht man/frau nicht manchmal Scheinwelten?

  2. Hey,

    es erscheint mir im Nachhinein lächerlich, weil es mir so inhaltslos vorkommt. Natürlich haben meine Beiträge von früher Inhalt, aber wenn ich mir überlege, wie ich nun schreibe, dann ist es mir persönlich etwas zu wenig, was ich damals geschrieben habe. Vielleicht hätte ich bei diesen Worten aber auch noch anfügen sollen, dass ich es andererseits aber auch akzeptiere, dass ich damals anders geschrieben habe als jetzt – immerhin liegen da fast fünf Jahre dazwischen und nicht nur ich als Person, sondern auch meine Beiträge und die Art und Weise, wie ich schreibe, haben sich weiterentwickelt. Ich hoffe, das ist nun etwas verständlicher. :)

    Natürlich braucht man/frau manchmal Scheinwelten. Dagegen spricht auch nichts. Was ich aber so schade finde ist, dass die Blogs, die eben nicht nur die wunderbare Scheinwelt darstellen, weniger bis kaum Beachtung erfahren.

    Ich werde mal auf dem Blog vorbeischauen – irgendwie ging beim letzten Mal bei mir etwas schief und mir wurden nur ältere Beiträge angezeigt. Aber ich habe jetzt schon mal kurz die aktuelleren Themen überflogen, und Ihr Blog klingt durchaus lesenswert. Denn ja, es ist, wie es ist: Man freut sich wirklich über jeden, der kommentiert oder einem mitteilt, dass man gelesen wird.

    Liebe Grüße,

    Jess

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