Rückzug. Auch ich darf das manchmal. [Sonntagsgedanken »7«]

In der Wohnung duftet es nach Kerzen. Die Wärme des sanften Lichtes erfüllt den Raum. Der Tee duftet ein bisschen nach Apfel, ein bisschen nach Zimt und sorgt dafür, dass sich die Finger nicht wie zehn Eiszapfen anfühlen. Die neu gekauften Kuscheldecken machen dem Bett mit frisch gewaschener Bettwäsche Konkurrenz, das zarte Rosa harmoniert wunderbar mit dem Rest des Wohnzimmers, mit diesem fabelhaften Bild auf der einladenden Couch.
Der Sommer ist endgültig vorbei, es ist Herbst. Und auf einmal spüre ich, wie mich die Zeit erschöpft hat, wie sehr ich mich nach anderen Dingen sehne. Nur ganz langsam hüpfe ich zurück in mein Hamsterrad, immer mit dem Hintergedanken, auch für einen Tag aussteigen zu dürfen. Und genau das gönne ich mir. Eine Pause. Rückzug. Denn auch ich, auch ich darf das manchmal.

In den letzten zwei Wochen war es still hier. Und während ich in den ersten drei Tagen noch daran dachte, einen Blogpost zu schreiben und online zu stellen, ist es mir am Wochenende entfallen. Montag war irgendwie schon wieder alles andere wichtiger, meinen Laptop habe ich nicht in die Hand genommen. Selbst heute merke ich, dass mich die Woche geschlaucht hat, mir fällt es schwer, konzentriert an diesem Post zu tippen. Generell ist mir nach „Bettdecke über den Kopf ziehen. Wenn ich die Welt nicht sehe, sieht sie mich auch nicht!“ Und dieser Gedanke wird immer schlimmer, je näher die Wochen rücken, die ich wieder vollständig im Hamsterrad verbringen werde.

Ich habe diesen Rückzug gebraucht, um mich wieder darauf einzustellen, wie es wird, wenn ich nicht mehr die Möglichkeit dazu habe. Jeder braucht diese Möglichkeit. Während ich früher noch dachte, dass es kein Problem sein sollte, ständig überall mitzumischen, neben den realen Verpflichtungen auch noch im ungesunden Ausmaße virtuellen Angelegenheiten nachzugehen, habe ich jetzt gemerkt, dass Auszeiten gut sind. Dass ich nicht verpflichtet bin, ständig irgendetwas in diese virtuelle Welt zu setzen, bei allen Blogs up to date zu sein oder jede E-Mail, jede Nachricht sofort zu beantworten. Rückzug ist keine Strafe. Es ist die Möglichkeit, sich selbst etwas Gutes zu tun.

Das Internet ist eine herrliche Möglichkeit, sich aus dem realen Leben zurückzuziehen. Ich selbst weiß das zu gut, aber ich sehe es auch bei vielen anderen. Was im Realen fehlt wird mit dem Internet ausgeglichen. Auf einmal sind da diese Menschen, die einem zuhören, die einem das Gefühl geben, verstanden zu werden. Auf einmal ist man an einem Samstagabend nicht mehr alleine. Auf einmal sieht man, dass es einem selbst vielleicht doch nicht so schlecht geht, sondern dass andere sich mit viel schwierigeren Dingen rumplagen. Es gibt so vieles, was das Internet und diverse soziale Plattformen Menschen bieten kann.

Aber man sollte nie Rückzug mit vollständigem Verlust in einer Sache verwechseln.
Deshalb war es hier auch nur für zwei Wochen still und bleibt es nicht auf ewig. Es gibt Phasen im Leben, in denen sich wieder alles einspielen muss, in denen Dinge nicht so funktionieren, wie man es gerne hätte. In so einer Phase befinde ich mich gerade. Und weil ich mich selbst nicht verbiegen möchte, habe ich mich ein kleines bisschen zurückgezogen. Denn auch ich darf das manchmal.

Bis die Tage,

Jess

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