Drei Jahre Studentin. Wie die Zeit vergeht.

Völlig verschlafen verlasse ich das Haus. Die eisige Kälte schlägt mir entgegen. Mein Auto ist vereist und der Versuch, ohne großes Kratzen auch nur ansatzweise etwas sehen zu können, schlägt fehl. Unter Zeitdruck schnappe ich mir den Eiskratzer, sorge für eine freie Sicht und düse zum Bahnhof. Trotz leichter Verspätung bin ich noch pünktlich genug, um mich über die fünf Minuten Verspätung meines Zuges zu ärgern.

Ich stehe am Bahnhof. Mal wieder. Nach fast zwei Jahren fahre ich zum ersten Mal wieder mit dem Zug zur Universität. Genauso wie vor drei Jahren, als ich noch ein süßer Ersti war. Ich steige ohne Bauchkribbeln in den Zug ein, bin mehr verschlafen als aufgeregt. Die Fahrt nach Heidelberg, die Fahrt mit dem Bus zur Uni, alles ist so vertraut, so bekannt. Und doch weiß ich noch ganz genau, wie ich mich vor drei Jahren fühlte, als ich diesen Schritt gegangen bin. Ein neuer Lebensabschnitt. Ich hatte nie eine große Pause von der Lernerei, aber es fühlte sich anders an. Ein ganz neuer Anspruch. Ganz neue Anforderungen. Ich war überfordert und wusste nicht, wohin mit mir, konnte mit dem Neuen nicht umgehen. Und jetzt – jetzt bin ich hier und sitze in einer Selbstverständlichkeit in der Mensa, während ich diese Zeilen tippe. Ich bin kein süßer Ersti mehr. Mein erster Tag hier ist nun drei Jahre her. Und wenn alles so geklappt hätte, wie ich es mir Anfang September vorgestellt habe, wäre dieses Semester die letzten drei Monate gewesen, die ich aktiv in Seminaren an dieser Universität verbringe.

Im Vergleich zum ersten Semester habe ich dieses Mal alles bedacht. Ich habe mir sämtliche Fristen überall notiert, um bloß keine zu versäumen. Meinen Stundenplan habe ich im Groben bereits während der letzten Prüfungsphase erstellt. Dieses Semester ist es viel – von den Leistungspunkten her eigentlich zu viel, denn die Seminare sind eigentlich für zwei Semester vorgesehen und nicht für eins – aber ich war glücklich, als mein Stundenplan fertig war. Ende in Sicht. Endlich.

Und dann der Riesenschock gestern Abend, als ich meinen Stundenplan das letzte Mal prüfen wollte. Ich bin aus zwei Seminaren rausgeflogen. Losverfahren, was nirgends stand. Der Plan, am Ende des siebten Semesters scheinfrei zu sein, ist nun Geschichte. Ich hatte mich so auf das Ende gefreut, weil ich zwar gerne lerne, das Studium für mich aber nur Mittel zum Zweck ist. Nicht vieles bringt mich in meinem eigentlichen Beruf, den ich später ausüben werde, tatsächlich weiter. Ich muss meinen Schülern weder etwas über Mittelhochdeutsch noch über den Gang nach Canossa erzählen – zumindest nicht 13 Wochen lang.

Die Freude auf das voraussichtlich letzte Semester war wie weggeblasen. Und sie fehlt immer noch. Zwar möchte ich meinen Vorsatz des letzten Semesters beibehalten, wieder gewissenhaft in alle Seminare gehen und meine Aufgaben erledigen, aber momentan mache ich es, weil es halt sein muss.
Der große Plan vom Studiumsverlauf, mit dem ich so wunderbar zufrieden war, muss wieder umgeschrieben werden. Und das hasse ich.

Aber das Jammern bringt mich nicht weiter. Es ist 11.15 Uhr. In 45 Minuten beginnt mein erstes Seminar. Trotz allem habe ich die ersten Punkte meiner ToDo für diese Woche schon abgearbeitet. Und ganz langsam, Schritt für Schritt, finde ich mich auch wieder in dieses geregelte Leben ein. Auch wenn es mich wurmt, dass es nicht so läuft, wie ich es geplant hatte und dass ich nun gerne schon im Referendariat wäre, ich brauche diesen geregelten Alltag, damit auch alles andere einwandfrei funktioniert. Feste Strukturen.
Obwohl das siebte Semester nun doch nicht mein letztes sein wird, freue mich darauf, irgendwo tief in meinem Innersten. Mit jedem Seminar komme ich meinem eigentlichen Ziel näher. Das Ende ist in Sicht. Außerdem sind es nur noch acht Leistungspunkte, die mir dann fehlen. Und was sind schon acht Punkte.

Und mit dieser Erkenntnis starte ich nun in mein erstes Seminar heute.

Bis die Tage,

Jess

4 thoughts on “Drei Jahre Studentin. Wie die Zeit vergeht.

  1. Sie hat mir heute einen freien Nachmittag beschert. :)
    Aus irgendeinem Grund hat es so sein sollen. Vielleicht wird mir dieser in den kommenden Wochen ja noch klar.
    Danke für die aufmunternden Worte!

  2. Naja, scheinfrei sein finde ich gar nicht das große Problem. Alle Scheine (recht zügig) zu machen, das geht schon. 8 Punkte sind wirklich fast nichts, das kriegst du ja nächstes Semester dann locker hin. Viel problematischer sehe ich Zula und vor allem Examen selbst… Vor allem letzteres ist da ja der Knackpunkt.

  3. Für die Zulassungsarbeit selbst hatte ich eigentlich das nächste Semester eingeplant. Das grobe Thema habe ich schon, dem Dozenten auch. Da mache ich mir jetzt eigentlich weniger Sorgen. Und das Examen.. naja. Das ist halt der große Abschluss, vor dem es wohl jedem leicht graut.. :D

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