Advent, Advent … [Sonntagsgedanken »8«]

Advent, Advent
… ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.

Die Adventszeit war für mich schon immer etwas ganz Besonderes. Ich liebe es, wen es abends früh dunkel wird, ich mich auf der Couch unter der Kuscheldecke einrollen kann, die ganze Wohnung vom Kerzenlicht erstrahlt, ein Hauch von Weihnachten in der Luft liegt und ich den Tag gemütlich mit einer Tasse Tee ausklingen lassen kann. Wenn der wunderbare Duft von Clementinen und Zimt mich wieder in ein Kind verwandelt, ich nur noch ein gutes Buch brauche, um glücklich zu sein.

Normalerweise ist die Vorweihnachtszeit immer eine besonders stressige Zeit. Nicht, weil mich der Einkaufswahn mit sich reißt und ich mich in Innenstädten mit anderen Menschen um die besten Geschenke prügle. Auch nicht, weil ich von einem Weihnachtsmarkt zum anderen hetze, um möglichst viel von dieser Zeit in mir aufzusaugen. Nein. Als Schüler war die Vorweihnachtszeit immer die Zeit, in der man gefühlt die meisten Klassenarbeiten geschrieben hat, weil alle Lehrer die Arbeiten zur Korrektur noch mit in die Ferien nehmen wollten. Als Student hatte ich in der Vorweihnachtszeit in den letzten Wintersemestern immer ziemlich viele Referate, einige Hausarbeitsabgabetermine und während meines Praxissemesters den Abgabetermin für meinen Abschlussbericht. Als Verkäuferin waren die Wochenenden schrecklich, weil ich an keinem Samstag vor 16.00 Uhr aus dem Laden rausgekommen bin. Als Nachhilfelehrerin habe ich in der Vorweihnachtszeit besonders viele Termine, weil jeder Schüler gerne noch zusätzlich einen Termin hätte, um mit der Masse an Unterrichtsstoff klar zu kommen.

Die Vorweihnachtszeit als Vorfreude auf die ruhigen Tage mit der Familie sind eigentlich nur eine Illusion, die vielleicht noch bei Grundschulkindern funktioniert, aber ab der fünften Klasse eigentlich endet. Das finde ich wahnsinnig schade. Dieses Jahr habe ich Glück, ich habe mir keine Referate in die Vorweihnachtszeit gelegt und muss dementsprechend nur mit dem hohen Maß an Nachhilfestunden zurechtkommen. Umso deutlicher wird mir bewusst, wie wenig wir diese Zeit eigentlich genießen können, dass Weihnachten viel zu schnell kommt und viel zu schnell wieder geht. Dabei kann diese Zeit doch mit wundervoller Vorfreude verbunden sein. Vorfreude auf das Beisammensein. Vorfreude auf die Reaktion der Liebsten, die nach langer Wartezeit endlich die Geschenke auspacken, die man mit viel Liebe für sie zusammengestellt hat. Vorfreude auf die Geschenke, die man selbst erhält (jeder, der dies leugnet, ist ein Lügner!). Vorfreude auf die unzähligen Weihnachtsfilme, die man eigentlich alle schon kennt, aber trotzdem tausende Male anschauen könnte – ich oute mich an dieser Stelle einfach mal als riesiger Fan von Drei Haselnüsse für Aschenbrödel.

Die Weihnachtszeit sollte mit viel mehr Vorfreude und viel weniger Stress für alle verbunden sein. Eigentlich könnte ich mich dieses Jahr auf diese Vorfreude konzentrieren, aber ich muss mich mit einem ganz anderen Aspekt abfinden: Mit der Tatsache, dass ich dieses Weihnachten das erste Mal seit sehr langer Zeit ohne meine Familie verbringen werde. Meine Geschwister werden wohl mit meinem Vater in einen Kurzurlaub fahren, meine restliche Familie feiert ebenfalls ohne mich. Und ohne meine Geschwister wird dieses Weihnachten schon ziemlich komisch. Ich weiß, dass wir uns wohl nicht auf ewig immer an Heiligabend zusammenfinden werden, weil sie schließlich auch älter und sich irgendwann die Frage stellen werden, wo sie nun Heiligabend verbringen – bei der eigenen Familie oder doch lieber mit dem Freund oder der Freundin unter dem Weihnachtsbaum der Schwiegereltern – und dass sie ihre Entscheidung irgendwann für die Gegenseite fällen könnten. Und das ist auch okay. Nur führt mir dieser Gedanke immer mehr vor Augen, wie viel Zeit vergangen ist und dass sich im Laufe der Zeit auch Dinge verändern können, die früher als selbstverständlich galten. Ich selbst sage schon seit Jahren, dass ich die Feiertage am liebsten in einer einsamen Berghütte ohne Mobilfunkanbindung verbringen würde, auch wenn ich noch nicht den Mut hatte, dies auch tatsächlich umzusetzen.

Nun sitze ich also hier und beobachte die Kerzen, die in meinem Arbeitszimmer funkeln, während ich mir Gedanken über diese schöne Zeit mache, die sich irgendwann in eine Zeit der Ungewissheit wandelt. Ich kann all diejenigen verstehen, die zu Weihnachten immer das Gefühl haben, zwischen den Stühlen zu sitzen und nicht richtig zu wissen, wem sie es eigentlich zuerst recht machen sollen. Als kleiner Tipp möchte ich diesen Leuten nur eins auf den Weg geben: Macht es euch selbst zuerst recht. Ihr wollt Weihnachten am liebsten auf der Couch verbringen, Glühwein schlürfen und leicht benebelt kitschige Weihnachtsfilme anschauen? Dann macht das. Ihr wollt Weihnachten mit Freunden feiern, weil die für euch viel mehr Familie sind als eure leibliche Familie? Dann macht auch das. Ihr wollt Weihnachten von einem Familienmitglied zum nächsten düsen, um jeden einmal gesehen zu haben? Dann macht auch das. Wichtig ist dabei, nicht daran zu denken, was die anderen über euch und euer Verhalten denken würden, sondern dass ihr die Zeit genießen könnt. Wir müssen uns alle so oft im Alltag für andere verbiegen, da sollten wir doch gerade an den wenigen Tagen des Jahres, an denen es um Liebe, Ruhe und Besinnlichkeit geht, aufhören, auf andere zu hören und unseren eigenen Weg finden. Oft hilft es auch, sich nicht Wochen im Voraus Gedanken darüber zu machen, mit welchem Vorhaben man nun wen am meisten verärgert, sondern den Dingen ganz entspannt ihren Lauf zu lassen. Vieles ergibt sich dann von selbst.

Warum ich diese Tipps gebe? Ich kenne es nur zu gut, mich jede Vorweihnachtszeit mit solchen Gedanken rumzuschlagen und habe im Laufe der Jahre gemerkt, dass so etwas einem viel mehr die schöne Zeit vermiesen kann als die Tatsache, dass man viel Stress im Job, im Studium oder in der Schule hat. Und während ich nun meinen Tee schlürfe und gedankenverloren auf den Adventskranz starren werde, werde ich mir vor allem eins immer wieder in den Kopf rufen: Dieses Weihnachten ist mein Weihnachten. Und die einzigen Person, der ich dieses Jahr irgendetwas recht mache, das bin ich.

Bis die Tage,

Jess

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