Und auf einmal bin ich selbstständig!

Nicht nur wegen meines Studiums war es die letzte Zeit hier so still. Ich habe ja bereits in meinen vergangenen Beiträgen anklingen lassen, dass sich in meinem Leben etwas verändert. Man kann sagen, dass ich neben meinen vielen anderen Projekten, die derzeit so laufen, ein neues Projekt großgezogen habe, von welchem ich nie dachte, dass es mich irgendwann in diese Richtung verschlagen wird. So ein Projekt ist in gewisser Weise tatsächlich wie ein kleines Kind, das manchmal ungeplant entsteht, einem im ersten Moment schockiert, im zweiten von sich überzeugt und am Ende zu etwas entwickelt, was man heiß und innig liebt, welches nach und nach erwachsen wird. Und jetzt, jetzt ist es so erwachsen, dass ich es euch endlich vorstellen kann: Gestatten, Perfektion zum Quadrat, mein Nachhilfeunternehmen, der Beginn meiner Selbstständigkeit, die einer ungewollten Schwangerschaft gleicht!

Zum Thema Selbstständigkeit habe ich glaube ich bereits drei Posts angefangen, die ich alle nie beendet habe. Irgendwie wollten die Worte nicht über meine Finger. Irgendetwas hat meistens nicht gepasst. Oft wurde ich beim Schreiben unterbrochen. Mich hat das geärgert, weil der Schritt in die Selbstständigkeit für mich etwas Entscheidendes war, was ich teilen wollte, über was ich berichten wollte. Jetzt im Nachhinein ist mir aber klar, dass dieser Beitrag genauso wie mein Projekt die Zeit gebraucht hat, um zu reifen. Ich war noch nicht bereit, darüber zu sprechen, musste erst selbst damit klar kommen. Aber jetzt weiß ich, dass all das, was gerade passiert, einfach nur richtig ist.

Wer meinen Blog schon längere Zeit verfolgt weiß, dass ich seit langer Zeit als Nachhilfelehrerin arbeite und dieser Arbeit mit Leidenschaft nachgehe. Wie bei jeder anderen Arbeit auch gibt es Höhen und Tiefen, aber im Großen und Ganzen bin ich glücklich damit, das zu tun, was ich schon mein Leben lang wahnsinnig gerne mache: Wissen vermitteln. Spaß daran aufzeigen. Anderen helfen. Im Dezember 2013 habe ich damit angefangen, mit wenig Schülern, von denen sich einige nach und nach auch als wirkliche Problemfälle entpuppten, aber diese Arbeit ist mich trotzdem nicht losgeworden. Ein Jahr später, im Dezember 2014, habe ich angefangen, für meine zweite Chefin Nachhilfeunterricht zu geben. Langsam aber sicher konnte ich mir einen Namen machen, es häuften sich Anfragen bei beiden Unternehmen, dass die Nachhilfe explizit von mir gewünscht sei. Neben den Schülern über die zwei Institute hatte ich eine einzige Schülerin, die ich unabhängig unterrichtete, weil sie nicht im Einzugsgebiet der beiden Unternehmen lebt und sehr unregelmäßig Nachhilfe genommen hat. Und als genau diese eine Schülerin mir im September 2015 eröffnete, dass sie ab jetzt regelmäßig einen, vielleicht auch zwei Termine haben wollte, wusste ich, dass sich nun etwas ändern müsste.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich nicht über eine Selbstständigkeit nach. Der Name „Perfektion zum Quadrat“ existierte zu diesem Zeitpunkt bereits, allerdings für einen anderen Kontext. Eigentlich war der Plan, dass ich als Angestellte in einem weiteren Unternehmen den Bereich Nachhilfe leite, manage, organisiere und das mein kleines Gebiet wird. Bis zum Termin bei der Steuerberaterin. Das muss man sich einmal vorstellen – Steuerberaterin. Das klingt so erwachsen, das fühlt sich so wichtig an und irgendwie war es das auch. Nur beraubte sie mich relativ schnell dem Vorhaben, meine Nachhilfe als Unterbereich eines anderen Unternehmens zu führen, da es steuertechnisch sowohl für das Unternehmen, als auch für mich, als auch für die Eltern, die die Nachhilfe bezahlen, völlig falsch gewesen wäre. „Erkundigen Sie sich, ob Sie die Nachhilfe nicht als Ihr eigenes Unternehmen großziehen möchten – trotz Studium.“ waren die Worte, mit denen das Gespräch über das Nachhilfeunternehmen endete. Und auch wenn ich nie darüber nachgedacht habe, selbstständig zu sein, es sogar Zeiten gab, in denen das Wort „Selbstständigkeit“ wie ein rotes Tuch für mich war, war mir in diesem Moment eins klar: Das ist mein Projekt, mein kleines Baby, und ich möchte es groß ziehen. Komme, was wolle.

Keine zwei Wochen nach diesem Termin habe ich zum ersten Mal den Satz „Ich habe mich selbstständig gemacht“ fallen gelassen, gegenüber meinem Vater, der fast ähnlich schockiert war wie man es von einer ungewollten Schwangerschaft meinen könnte. Er war skeptisch und ich glaube, das waren viele andere auch, als sie zum ersten Mal davon hörten. Aber kaum war es offiziell, kaum hatte ich das erste Mal Rechnungen mit meinem Logo, meinem Konto, meinem Namen geschrieben, wurde mir bewusst, dass diese Entscheidung die richtige war. Nach und nach bekam ich einen Schüler nach dem anderen, knüpfte Kontakte, lernte neue Familien kennen, neue Schüler mit Geschichten. Meine Schüler, die sich direkt an mich gewandt haben, nicht über eine Institution, über jemand Fremdes.

Während meiner Prüfungsphase bastelte ich an meiner Homepage zum Unternehmen. Bestellte Visitenkarten und Kugelschreiber. Überlegte, wie es weitergehen soll, weil meine Zeit endlich ist, ich bei dieser Anfrage nicht jeden Schüler weiterhin selbst übernehmen kann. Und auf einmal stand das Thema „Angstellter“ im Raum. Ich bin ein Mensch, der ungern Arbeit abgibt, nicht, weil ich den Profit sehe, wenn ich Schüler selbst unterrichte, sondern weil ich diese Arbeit gerne selbst erledige. Aber ich muss lernen, genau das zu machen, Arbeit abzugeben. Also registrierte ich mich auf der Jobbörse als Arbeitgeber – Jahre, nachdem ich das letzte Mal auf dieser Seite als Arbeitnehmer auf die Stelle gestoßen bin, die mich im Dezember 2013 auf diesen Weg gebracht hat.

Ich weiß nicht, wohin mich das alles führen wird. Wie es weitergeht, wenn mein Studium vorbei ist. Was passiert, wenn ich meine Arbeit zum ersten Mal tatsächlich abgebe, ohne die Verantwortung an sich völlig abzugeben. Aber dieser Weg ist spannend. Belebt mich, überfordert mich, macht mich glücklich, bringt mich zur Verzweiflung. Nie hätte ich gedacht, dass ich je selbstständig sein werde. Nie habe ich es gewollt. Und auf einmal bin ich selbstständig! Und auf einmal.. auf einmal fühlt sich alles so verdammt erwachsen, aber vor allem so verdammt richtig an.

Bis die Tage,

Jess

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