Neustart [Sonntagsgedanken »10«]

Wie ein Text im Deutschunterricht ist unser Leben in verschiedene Abschnitte unterteilt. Wir haben unsere Zeit als Baby, als Kleinkind, als Kind, als Jugendlicher, als angehender Erwachsener, als Erwachsener. Als Single, als Vergebener. Als Glücklicher, als Trauriger. Der Vorteil gegenüber einem Text zur Lektüre ist allerdings, dass die Abschnitte chronologisch aufeinander aufbauen. Der Nachteil: Manchmal merken wir nicht, dass unser Leben gerade einen neuen Absatz gemacht hat.

Viele bezeichnen die großen Momente als Sinnabschnitte in ihrem Leben: Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule, von dieser auf die weiterführende Schule. Schulabschluss, erste Ausbildung, Studium, Berufsleben. Meiner Meinung nach ist das einfach viel zu grob gefasst. Manchmal merken wir gar nicht, dass wir vor einem großen, nneuen Sinnabschnitt stehen, und rutschen mehr oder weniger einfach hinein, bis uns die Erkenntnis überkommt: Ja, jetzt beginnt etwas Neues.

Für mich war die letzte Zeit wieder so ein Abschnitt, in welchem sich das Eine dem Ende neigte und das Andere langsam anfing, sich anzukündigen. Ich finde es immer amüsant, dass ich so etwas meistens bemerke, wenn ich an meinem Blog arbeite: Bin ich mit mir und meinem aktuellen Abschnitt im Reinen, fliegen meine Finger über die Tastatur. Merke ich, dass irgendetwas nicht stimmt, nicht so ist, wie es sein sollte, bleiben die Zeilen leer.

In den vergangenen Wochen habe ich so viele Blogposts begonnen und doch nicht vollendet. Es waren zwar oft Themen, die mir wichtig waren, die mich tagelang nicht losgelassen haben, und doch war es nichts, was ich teilen wollte. Ich wollte generell nichts teilen, weil ich nicht wusste, wie es eigentlich weitergehen sollte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, festgefahren zu sein, mich in eine Straße manövriert zu haben, die eine Sackgasse war. So eine Situation ist einfach unglaublich frustrierend und je weniger ich schrieb, weil in meinem Kopf eine völlige Schreibblockade herrschte, umso mehr frustrierte mich alles. Teufelskreis.

Manchmal kann man diesen Teufelskreis nicht alleine durchbrechen. Ich konnte mich nicht motivieren, überhaupt etwas zu tun – alles fiel mir in letzter Zeit unglaublich schwer und am liebsten hätte ich den Kopf unter der Decke versteckt, ganz nach dem Motto: Wenn ich die Welt nicht sehe, sieht sie mich auch nicht. Erst als ich wieder vor Augen geführt bekam, dass es auch anders geht, wie leicht einem Dinge von der Hand gehen können, wenn man sich wirklich dazu aufrafft, etwas zu ändern, die elendslange ToDo-Liste abzuarbeiten, sich Luft zu verschaffen, hat es bei mir Klick gemacht. Und obwohl ích an diesem Tag völlig müde und k.o. war, saß ich abends bis tief in die Nacht an meinem Schreibtisch und begann, mein Leben neu zu sortieren. Mir einen Plan zu machen. Ziele zu stecken. Für so viele Dinge, die ich in letzter Zeit schleifen ließ und mir damit selbst keinen Gefallen tat. Und auf einmal fühlte ich mich besser. Befreiter.

Dieser innere Schweinehund kann einen in den Wahnsinn treiben. Klar kostet es einen enorm viel Kraft, ihn zu überwinden. Als ich vor Tagen den Plan entwarf, wie es mit diesem Blog hier weitergehen sollte, war ich hochmotiviert. Heute hatte ich den ganzen Tag im Hinterkopf, dass ich unbedingt diesen Blogpost veröffentlichen wollte, aber wie es halt immer so ist, klappt die Vorausplanung nicht immer unbedingt einwandfrei und so kam es doch dazu, dass um 22.30 Uhr die Zeilen noch leer waren. Es kostet Überwindung, manche Sachen wieder in Angriff zu nehmen, aber dennoch ist diese Überwindung meistens der erste Schritt zu einem besseren Lebensgefühl.

Ich will an dieser Stelle nicht verraten, was ich alles geplant habe, denn etwas zu versprechen und es am Ende doch nicht einzuhalten ist doof – für mich als Autor dieser Texte und für euch als Leser. Ich möchte nur so viel sagen, dass ich dem Blog wieder mehr Vielfalt einhauchen möchte, um nicht wieder in einer Sackgasse zu landen. Vielleicht steuert ihr auch euren Teil an dieser Vielfalt bei: Gibt es Themen oder Bereiche, die euch besonders interessieren, denen ich mehr Aufmerksamkeit widmen könnte (oder auch sollte)? Ich bin für alle Vorschläge offen und das, was mir im Kopf herumschwebt, ist nicht in Stein gemeiselt. Begleitet mich auf einem weiteren Abschnitt meines Lebens und seid Teil davon. Ich bin gespannt, welche Überschrift ich eines Tages diesem Absatz meines Lebens verpassen werde.neustart

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