Fluch und Segen der Freiheit [Flashback zur Prüfungsphase]

Hey?! Ist etwas passiert? Komm doch ins Bett! – Ja, ich komme gleich..

Als ich mich um 22.40 Uhr noch einmal in mein Arbeitszimmer begab, hatte ich eigentlich ein klares Ziel vor Augen: Einem Blogger, den ich gerne lese, bei einem Problem mit WordPress zu helfen und mich dann ins Bett zu verziehen. Vielleicht nicht zum Schlafen, sondern um auf dem Tablet zumindest einmal die Notizen für meine Prüfung durchzugehen, die ich mühsam am Tag zuvor zusammengeschrieben habe. Mein Kopf rebellierte schon heftig. Drei Tage vor der Prüfung und in mir entbrannte ein Konflikt darüber, ob ich nicht einfach möglichst viel in die Lektüren, die zur Klausur zugelassen waren, reinschreibe, mir alles zweimal durchlese und mit Bravour die Prüfung wie im vergangenen Semester bestehe, ob ich nach und nach alles auswendig lerne oder ob ich schlicht und ergreifend die Prüfungsphase mit Füßen trete und in beiden Seminaren, in welchen ich eine Leistung erbringen muss, eine Hausarbeit schreibe. Als Student hat man Wahlfreiheit. Aber leider auch die Qual der Wahl.

Man hat auch die Qual der Wahl, wann Schlafenszeit ist und wann man aufstehen möchte, könnte oder sollte. Und so kommt es, dass ich jetzt, eine Stunde später, immer noch in meinem Arbeitszimmer sitze, das große Licht mittlerweile gegen angenehmes indirektes Licht eingetauscht habe und fleißig meine Finger über die Tastatur fliegen lasse.

Ich liebe diese Freiheiten. Sie geben mir die Möglichkeit, ab und zu auch mal fünf gerade sein zu lassen, erst um 8.00 Uhr statt um 7.00 Uhr aufzustehen oder die halbe Nacht einfach durchzumachen – entweder versunken in die vielen Blogposts, die ich irgendwie im Laufe der Zeit verpasst habe, auf der Suche nach neuen Inspirationen oder völlig gedankenlos dabei, irgendeine Serie anzuschauen, die mich an meine Kindheit erinnert. Und das, obwohl ich eigentlich lernen sollte.

Gleichzeitig hasse ich aber diese Freiheiten, denn als einziger Student in meinem Umfeld schotte ich mich damit auch ein bisschen ab. Während andere einen geregelten Schlafrhythmus haben, muss ich damit kämpfen, mitzuhalten, mich selbst maßregeln und doch morgens zerknirscht aus dem Bett wandern, um irgendwie im Alltag der anderen mithalten zu können. Es gibt keine Schule, keine Arbeit, mittlerweile noch nicht mal allzu viele Vorlesungen oder Seminare, die von mir frühe Anwesenheit verlangen und damit in gewisser Weise meinen Tagesablauf regeln. Manchmal vermisse ich die Schule oder einen Job, in dem ich eben nicht so flexibel bin, aus dem einfachen Grund, dass ich mir weniger Gedanken darüber machen musste, wie ich meinen Alltag strukturiere. Selbstmanagement ist manchmal gar nicht so einfach.

Aber manchmal, manchmal spielen auch ganz andere Faktoren in dieses Management rein. Jemand, der dich daran erinnert, rechtzeitig ins Bett zu gehen oder früh aufzustehen und nicht den Tag zu verschlafen. Oder eine Katze, die sich schonungslos zwischen dich und den Laptop wirft und dir maunzend signalisiert, dass sie erst Ruhe gibt, wenn du mit ihr ins Bett gehst.

Bis die Tage,

Jess

2 thoughts on “Fluch und Segen der Freiheit [Flashback zur Prüfungsphase]

  1. Mir ging es auch so, nur anders rum. Ich war der erste des Freundeskreises, der zu arbeiten begann und um 6 Uhr aufstehen musste. Es wurde gar nicht verstanden, dass ich sonntags um 22.00 Uhr schon müde war und heim wollte.

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