Und auf einmal war es still.

Manchmal reicht ein einziger Satz, damit du sämtliche Vorsätze über Bord wirfst und dich etwas traust, was du lange Zeit nicht gemacht und auch nie wirklich vermisst hast.

Können wir uns heute Abend hinsetzen und was buchen?

Ich war schon lange nicht mehr im Urlaub. In früheren Beiträgen habe ich ja bereits berichtet, dass der Urlaub in den Sommerferien dieses Jahr überhaupt mein erster richtiger Urlaub seit drei Jahren war. Allerdings Urlaub auf Balkonien, verbunden mit Arbeit im Haushalt und Arbeit für die Universität. Wenn ich es mir recht überlege, weiß ich nicht, ob das wirklich als Urlaub durchgehen kann oder nicht als freie Zeit, die zwingend notwendig war, um in Sachen Studium zumindest ein bisschen up to date zu sein und nicht völlig verloren hinterherzuhinken. Als ich diese freie Zeit geplant habe, habe ich nicht daran gedacht, dass ich irgendwie in den Urlaub fahren würde. Und doch stand genau dieses Thema Ende August auf einmal im Raum, für einen Zeitraum, in welchem die Sommerferien schon wieder vorbei sein sollten und für mich eigentlich wieder Arbeit auf dem Programm stehen müsste.

Und doch bin ich hier. Im Urlaub. In Dänemark.

Vergangenen Freitag begann die Reise um 2.00 Uhr nachts, um möglichst viel Fahrzeit in die Morgenstunden zu legen und damit den Staus in Baden-Württemberg rund um die unzähligen Baustellen irgendwie zu umgehen. Ich hatte die vergangenen Tage vor allem mit Urlaubsplanung verbracht – was musste ich zuvor erledigen, was sollte mit in den Urlaub, welche Ausflugsziele gibt es vor Ort, wie können wir im Ausland bezahlen, und, und, und. Die Liste erschien mir zu Beginn endlos und doch habe ich es geschafft, bis Donnerstagabend um 22 Uhr tatsächlich alles erledigt zu haben. Plan war vor der Abfahrt noch ein paar Stunden zu schlafen, um nicht völlig schlaftrunken durch die Gegend zu fahren und vor allem mein Schlafdefizit von Donnerstagnacht auszugleichen. Glaubt mir, es gibt kein besseres Timing für eine schlaflose Nacht als einen Tag vor Abfahrt in den Urlaub. Als am Freitagmorgen um 1.30 Uhr der Wecker klingelte, hatte ich nicht viel Schlaf hinter mich gebracht – laut meiner Fitbit App waren es gerade einmal zwei Stunden.

Und dennoch ging die Reise los. Von Müdigkeit konnte auch nicht mehr die Rede sein, denn das supertolle mega aktuelle Navigationsgerät, welches ich mir von meinem Vater ausgeliehen hatte, begann zehn Minuten nach Abfahrt rumzuzicken. Als Beifahrer war ich dafür zuständig und gab dann nach etwa einer Stunde auf, an die Funktion dieses Mistdings zu glauben und setzte beherzt mein Handy als Navigationsgerät ein – welches uns ohne Probleme bis an die Grenze zu Dänemark brachte. Um 12.30 Uhr hieß es Tschüss Deutschland, Hallo Dänemark!

Vor Grenzübertritt waren wir noch einmal kurz einkaufen und etwas Geld abheben. Glaubt mir, es ist eine Erfahrung wert, einmal durch ganz Deutschland zu fahren, nur um ein einziges Mal im Aldi Nord statt im Aldi Süd einkaufen zu gehen! Und die Sparkasse im Norden… hach! Das war ein Erlebnis!

Aber zurück.

Kaum hatten wir die Landesgrenze hinter uns gelassen, hatte ich das Gefühl, dass mein gesamtes Leben entschleunigt wurde. Und das lag nicht nur daran, dass auf Dänemarks Autobahnen die schnuckelige Höchstgeschwindigkeit von 130km/h gilt, sondern an der Tatsache, dass in diesem Land gefühlt alles viel entspannter zugeht. Die unendlichen Weiten, die man auf der Autofahrt sieht, sieht man sonst nur im absolut ländlichen Bereich Deutschlands, wenn überhaupt. Die Art und Weise, wie die Straßen und Städte teilweise angelegt sind, faszinierte mich. Ich musste vor mich hingrinsen, als ich auf dem Weg zum Servicebüro einen Blick auf einen Feldweg erhaschte, der tatsächlich den Namen Haldevej trug (es kann auch sein, dass dieser Name anders geschrieben wurde, nagelt mich darauf nicht fest, aber ich dachte sofort an „Halteweg“, als ich den Namen las). Völlig um mich geschehen war es aber, als wir am Servicebüro ankamen, was direkt am Strand lag. Nachdem wir den Schlüssel für unser Ferienhaus ergattert hatten, war das erste Ziel der Strand. Schuhe aus. Sand unter den Füßchen spüren. Die frische Brise durch’s Haar wehen lassen. Die Augen schließen und die Sonne auf der Nase spüren.

Urlaub auf Balkonien ist schön. Aber Urlaub auf Balkonien ist ein Scheiß gegen Urlaub in Dänemark. Ich habe mich verliebt. In dieses Land, in welchem ich bereits im ersten Augenblick genau das gefunden habe, was ich lange Zeit schmerzlich vermisst hatte, ohne, dass es mir je wirklich bewusst war: Ruhe.

Wir setzten uns auf einen Stein am Übergang von der Straße zum Strand und genossen genau das. Die Ruhe. Die Stille. Die Entschleunigung. Ich war überglücklich, obwohl wir noch nicht einmal an unserem tatsächlichen Urlaubsort angekommen waren.

„Wenn unser Strand genauso schön ist wie dieser hier, dann bin ich glücklich und alles andere ist vollkommen egal.“

Unser Strand ist noch schöner. Und vor allem: Er ist menschenleer. Ich weiß, dass dies wahrscheinlich das vorletzte Jahr war, in dem ich die Gelegenheit hatte, außerhalb der Ferienzeit zu verreisen, aber ich würde es jederzeit wieder machen. Natürlich ist das Wasser Mitte September nicht das wärmste – aber das ist es an der Ostsee nie. Dennoch ist es angenehm warm, und es gibt nichts schöneres, als stundenlang am Strand zu liegen, ein gutes Buch zu lesen oder einfach vor sich hinzudösen und dabei den Wellen und Möwen zu lauschen.

Mittlerweile sind vier Tage dieses Urlaubs schon vorbei. Vier Tage, an denen wir nicht wirklich viel gemacht haben, außer am Strand zu liegen, den Wellen zu lauschen, uns an Dänemark und den kleinen Unterschieden zu erfreuen, auf der Couch zu liegen und Filme und Serien zu sehen und uns dabei wie Hähnchen auf dem Grill zu fühlen, weil das Feuer im Schwedenofen den Wohnraum in eine Sauna ohne Wasserdampf verwandelt hat.

Aber vielleicht ist genau das auch das Schöne an allem. Ich war nie sonderlich scharf auf Urlaub, weil ich Urlaub mit actionreichen Tagen und Unternehmungen verband, nach welchen man müde und kraftlos ins Bett fällt – glücklich zwar, aber nicht wirklich erholt. Aber dieser Urlaub – mein allererster wirklicher Urlaub als Erwachsene – ist genau das, was ich brauche: Ein Urlaub, in dem auf einmal alles still wird.

Liebste Grüße aus dem schönen Dänemark!

Jess

collage

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