Selbstständig. Und krank. [#excerptsofworkadaylife »4«]

Jeder kennt die Situation: Eine blöde Erkältung kündigt sich den ganzen Sonntag über an, man vermutet schon, am kommenden Arbeitstag den Arbeitgeber darüber informieren zu müssen, nicht arbeiten zu können.. und schwupps, ist sie da: Die Erkältung. Pünktlich zum Wochenanfang und irgendwie immer genau dann, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann.

Also geht man zum Hausarzt, lässt sich krank schreiben, bleibt für drei bis fünf Tage im Bett, erholt sich und ist im Idealfall spätestens nach einer Woche wieder gesund.

Wie ist das aber, wenn man selbstständig ist?

Mir ist genau das nämlich letztes Wochenende passiert. Ich fühlte mich schon am Samstag recht matschig, habe das aber nur auf die stressige Woche geschoben. Sonntag wachte ich mit einem Kratzen im Hals, verstopfter Nase und Husten auf und meine Stimme klang dank Heiserkeit richtig toll. Sonntagabend bin ich um 21 Uhr ins Bett gefallen, nachdem ich den Kampf gegen meinen Körper aufgegeben und eingesehen habe, dass der Geist in diesem Fall wohl doch nicht stärker als die Erkältung ist. Und Montag.. ja. Ich wollte das Bett nicht verlassen, einfach liegen bleiben und mich auskurieren. Aber da ist dieser blöde Terminkalender – das Seminar in der Uni, welches ich schon einmal habe ausfallen lassen und die drei Nachhilfetermine, die sich bis um 20 Uhr ziehen sollten. Ich war ehrlich gesagt schon erschöpft, als ich meinen Terminkalender sah. Von fehlender Motivation ganz zu schweigen.

Ein Angestellter hätte in der Situation seinen Arbeitgeber informiert, wäre zum Arzt gegangen und hätte sich erholt.

Ich habe das nicht getan. Denn gerade wenn die Arbeit, die man ausübt, nach Stunden, die man tatsächlich arbeitet, bezahlt wird, überlegt man sich zweimal, ob man eine Stunde absagt oder nicht. Also habe ich neben der Erkältung auch den inneren Schweinehund bekämpft und nicht den ganzen Tag frei gemacht, sondern lediglich eine Stunde abgesagt, eine andere gekürzt und die letzte dementsprechend vorgezogen. Statt 20 Uhr hatte ich um 18 Uhr Feierabend.

Leider ist diese blöde Erkältung hartnäckig. Ähnlich wie Montag habe ich mich auch am Dienstag durch den Tag geschleppt und war einfach froh, als der Tag vorbei war. Von glücklichem Arbeiten kann da nicht mehr die Rede sein – eher von einem sich von der einen Stunde in die nächste schleppen, irgendwann wird es schließlich vorbei sein. Heute, am Mittwoch, sitze ich mittlerweile seit 10 Uhr wieder am Schreibtisch, weil mein Körper sich nicht die Ruhe nehmen möchte, wenn ich sie ihm gebe – denn statt länger zu schlafen und dadurch fitter zu sein war ich natürlich um 8 Uhr hellwach.

Jedes Mal, wenn ich krank werde, ist es das gleiche Dilemma: Soll ich Stunden absagen? Und wenn ja – welche? Wie soll ich bitte die verlorene Zeit gerade bei den Schülern aufholen, bei denen in den nächsten Wochen wichtige Prüfungen anstehen? Und wie kann ich es am Ende vom Monat rechtfertigen, wenn mein Kontostand nicht den erwarteten Betrag anzeigt sondern einen geringeren, einfach weil ich nicht die Zähne zusammengebissen habe?

Selbstständigkeit ist schön und gut. Aber gerade wenn ich krank werde, wäre ich ab und zu gerne einfach Angestellter. Ich könnte mir wirklich die Ruhe gönnen, die ich brauche und mich nicht in die Ausrede stürzen, dass ich mich am Wochenende auskuriere, ohne dabei im Hinterkopf haben zu müssen, dass mich jede Stunde auf der Couch um Geld bringt und einiges an Arbeit liegen bleibt – denn keiner erledigt in der Zwischenzeit notgedrungen meine Arbeit mit.

Bis die Tage,

eine immer noch schniefende Jess

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