Besinnlichkeit ausverkauft.

Es ist der 06. Januar 2017. Sechs Tage ist dieses wunderbare neue Jahr schon alt und vieles hat sich schon getan. Noch schlaftrunken räume ich die Wohnung auf – Dinge, die im Dunkeln abends einfach irgendwo abgelegt werden und nicht weiter auffallen, bevor ich in die Küche gehe und in leichter, aber angenehmer Hektik beginne, den Boden für einen Kuchen zu backen. Schwarzwälder Kirschtorte. Auf den Nachmittag habe ich meine Familie zum Kaffee und Kuchen eingeladen, um so ein bisschen den Geburtstag meines Vaters nachzufeiern und Zeit füreinander zu haben, bevor wieder der stressige Alltag losgeht – für uns alle. Und Schwarzwälder Kirschtorte ist nunmal seine Lieblingstorte, auch wenn ich sie noch nie für ihn gebacken habe. Dementsprechend zeitaufwendig war das auch. Aber – ich war dabei glücklich und voller Vorfreude. Irgendwie auch besinnlich.

Nachdem der Kuchen in den Kühlschrank gewandert, der Tisch gedeckt ist und ich die Wohnung mit dem Staubsauger gequält habe – blöde Katzenhaare! – beginne ich, die Kerzen anzuzünden, die zum einen noch zur Weihnachtsdekoration gehören, zum anderen aber generell in der Wohnung verteilt sind. Und plötzlich halte ich inne. Es ist schon kurz vor 16 Uhr, an einem trüben Nachmittag, und das Kerzenlicht strahlt mir mit voller Kraft entgegen. Ein angenehmes Gefühl. Ein angenehmer Tag. Glück. Freude. Zufriedenheit. Besinnlichkeit.

Ich schaue auf den Weihnachtsbaum, den ich immer noch nicht abgeschmückt habe und werde ganz wehmütig bei dem Gedanken, abends nicht mehr die Lichter an ihm anzumachen. Die Vorweihnachtszeit ging rasend schnell vorbei, die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester ist immer wie ein Loch und die Woche nach Neujahr schon wieder für viele der Beginn des alltäglichen Trubels oder der stressigen Zeit, in welcher man noch wie ein Bekloppter versucht, viel zu hoch gesteckte Ziele und Vorsätze umzusetzen.

Warum nehmen wir diese Gefühle aus der Weihnachtszeit eigentlich nicht mit? Wieso heißt es spätestens am 07.01 schon wieder „Besinnlichkeit ausverkauft“?

So entspannt wie mein Tag begann, endete er auch. Ich habe nicht zugelassen, dass man mir dieses Gefühl wieder wegnimmt. Ruhe bewahrt. Es genossen. Und ich habe mir fest vorgenommen, mir das Gefühl zu erhalten, nicht gleich wieder in den Stress zu verfallen, der immer dafür sorgt, dass man von der besinnlichen Weihnachtszeit nichts mitnimmt. Denn wer sagt, dass wir diese positive Grundstimmung, die irgendwann einsetzt, nicht einfach auch über die Weihnachtszeit hinaus beibehalten dürfen? Nur weil jetzt auf sämtlichen Dingen, die mit dieser Zeit zu tun haben, ein 50% reduziert Schildchen klebt? Müssen wir gleich wieder alles fallen lassen, was in dieser Zeit wichtig war und wieder hektisch werden, nur weil wir versuchen, sämtliche Vorsätze umzusetzen?

Wochen-, nein monatelang werden wir auf die Weihnachtszeit vorbereitet. In den Läden stehen schon Ende August die ersten Weihnachtssachen. Spätestens Ende November finden wir überall Weihnachtsdekoration in den Innenstädten und die ersten Weihnachtsmärkte, parallel dazu beginnt die typische Weihnachtswerbung und es werden traditionelle Filme und Serien rund zu diesem Thema gesendet. Aber wir befinden uns in der Regel im Stress, welcher am 23.12 darin gipfelt, noch fix die letzten Sachen für Weihnachten einzukaufen, und seien es nur Lebensmittel, die verderblich sind und dementsprechend nicht früher gekauft werden konnten. Doch dann ist Heiligabend da. Und eine Woche später verpufft diese Zeit, die wir als besinnlich empfinden sollen.

Ich mache da dieses Jahr nicht mit. Ich bewahre mir die Besinnlichkeit, die Freude daran, einen schönen, gemeinsamen Tag vorzubereiten und die gemeinsame Zeit, die so selten ist, zu genießen. Und vielleicht ist das viel wichtiger als irgendwelche Neujahrsvorsätze und -ziele.

 

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