Sonntagsrituale [Sonntagsgedanken »14«]

 

Sonntag, 22.15 Uhr. Müde stehe ich von meinem Schreibtisch auf, der wieder einigermaßen aufgeräumt und ordentlich aussieht. Statt des üblichen Couch-Marathons, welchen die meisten sonntags bevorzugen, liegt ein Schreibtischmarathon hinter mir. Denn nachdem ich mir etwas mehr Schlaf als unter der Woche gegönnt, in Ruhe gefrühstückt und etwas Ordnung in die Wohnung gebracht habe, habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt – und diesen nur verlassen, um kurz eine Suppe zu essen. Ich glaube, es war etwa 12.30 Uhr, als ich mich das erste Mal an meinen Aufgabenberg gesetzt habe.

Und irgendwie sehen meine Sonntage aktuell immer so aus.

Die Vereinbarkeit von Studium, Selbstständigkeit, Privatleben und Anderem

Wer mir auf Instagram, Snapchat oder Twitter folgt, hat es im Groben und Ganzen schon mitbekommen: Meistens versuche ich sonntags all das aufzuholen, was ich unter der Woche nicht schaffe. Beginnend mit meiner Terminplanung. Wenn ich mir nicht aufschreibe, was ich wann zu tun habe, habe ich das Gefühl, dass ich die Hälfte vergesse, denn aktuell habe ich so vieles (oft auch unnötiges) im Schädel. Seit Neujahr gelingt es mir, das auch wirklich konsequent Woche für Woche durchzusetzen und mir die Zeit dafür zu nehmen, mich mit Stempeln, Farben und unterschiedlichen Mustern zu organisieren und etwas Ordnung ist das Chaos, was sich mein Kopf schimpft, zu bringen.

Was das alles ist? Es erschreckt mich jede Woche aufs Neue, woran ich aktuell zu denken habe. Zuerst ist da mein Studium. Das Semester neigt sich dem Ende zu und langsam fängt es wieder an, dass die Panik in mir aufsteigt. Denn ich habe mir selbst das Semesterende als Deadline gesetzt – bis zu meinem Staatsexamen im Herbst gibt es noch so vieles zu tun. Ende Juni will ich mit all meinen Hausarbeiten durch sein – also pro Monat eine, das erscheint mir machbar. Bis Ende April kann ich mich zum Examen anmelden. Am liebsten würde ich aber bis Ende März schon all meine Prüfer, Themen und Unterlagen beisammen haben, was aber dazu führt, dass ich mich neben dem normalen Alltagswahnsinn erst einmal mit der Frage auseinandersetzen muss, wer mich überhaupt prüft (was in Geschichte kein Thema, aber in Germanistik eine Katastrophe ist!), ob diejenigen überhaupt noch Plätze frei haben (gerade in der Germanistik ein heikles Thema!), wann diejenigen ihre Sprechstunde haben (natürlich nie, wenn ich so Zeit hätte – ich muss dafür umplanen bzw. extra nach Heidelberg fahren) und ob ich mich dafür vorab anmelden muss. Das nervt mich. Wirklich. In diesem Punkt vermisse ich die Schule und den Luxus, Prüfungszeiten, -themen und Prüfer einfach vor die Nase gelegt zu bekommen. Neben meinen Seminarterminen stehen nun also auch diverse Sprechstunden, Dozenten und E-Mail-Erinnerungen in meinem Kalender. Ach! Und da war ja noch etwas mit der Rückmeldung zum Sommersemester, was mir gerade beim Tippen dieser Zeilen so einfällt..

Neben dem ganzen Studentenkram findet natürlich auch viel Arbeitskram in meinem Kalender seinen Platz. Die Termine, die nächste Woche anstehen. Die Termine, die ausfallen. Termine, die mir noch bestätigt werden müssen. Ein Post-it, auf welchem groß „Wie bringe ich die neue Anfrage von Schüler X in den Terminkalender unter?“ steht. Die Klassenarbeitstermine meiner Schüler, die ich teilweise besser auf dem Schirm habe als sie (weshalb mein Hirn Ressourcen für so etwas Unnötiges verschwendet, kann ich euch allerdings nicht erklären). Termine und ToDo’s für ein Vorstellungsgespräch, was nächste Woche ansteht. Und, und, und.

Etwas Privates findet auch noch Platz. Eine Erinnerung daran, wann ich wo welches Angebot einkaufen wollte. Eine Erinnerung an einen Freitag in fünf Wochen, damit ich ein bisschen was zum Lächeln habe. Die Essensplanung für die nächste Woche, weil mir unter Zeitdruck kein Gericht, sondern nur „Oh, Huuunger. Etwas Deftiges wäre jetzt geil!“ einfällt und es abends oft recht schnell gehen muss und ich mir nicht erst eine halbe Stunde nehmen kann, bis ich weiß, was ich koche, sonst ist nämlich schon fast 22 Uhr. Eine Erinnerung daran, dass ich nächstes Wochenende nicht Zuhause bin und ein Geburtstag ansteht (den ich tatsächlich fast vergessen hätte). Puuuh.

Studium. Selbstständigkeit. Privatleben. Wenn ich ehrlich bin plane ich aktuell auch nichts anderes mehr ein, denn ich habe das Gefühl, momentan an meiner Grenze angekommen zu sein und mir nicht noch mehr vorzunehmen, weil ich mich dann nur selbst enttäuschen würde. Und doch schwirren mir immer wieder so Sätze wie An Tag X könntest du zum Sport gehen, da hast du morgens mehr Luft oder Du hast im Januar recht wenig gepostet. Mittwoch beginnt ein neuer Monat! Neuer Monat, neues Glück! Plan es! Halte dich an deinen Plan! durch den Kopf. Blöder Kopf.

Nachdem ich dann dieses ganze Chaos – was ich versucht habe, euch nun einigermaßen strukturiert wiederzugeben – sortiert und aufgeschrieben habe, arbeite ich meine ToDo der vergangenen Woche ab. Meistens blöder Papierkram, der Zeit frisst. Rechnungen schreiben, Briefe aufsetzen, Unterlagen und Verträge ausdrucken und ansehnlich aufbereiten, die Homepage aktuell halten, über Werbung nachdenken und diese gegebenenfalls umsetzen.. joah. Und schwupps ist’s 20 Uhr und keiner weiß, wo die Zeit geblieben ist. Ich will auch gar nicht meckern, denn es macht mir Spaß, all das zu machen. Nur fände ich es schön, wenn es sich nicht immer wieder auf die Sonntage beschränken würde und ich auch an anderen Tagen genug Zeit dafür finden könnte. Allerdings sitzt mir da irgendwie immer die Zeit im Nacken. Ich arbeite bei Weitem nicht so entspannt an all diesen Dingen, wenn ich weiß, dass ich in zwei Stunden wieder aus dem Haus muss, davor noch etwas essen und dringend dies und jenes erledigen müsste. Da funktioniert auch selten etwas so, wie ich es gerne hätte. Geht es nur mir so?

Sooo! 900 Wörter über meine Sonntagsbeschäftigung. Herrje. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel dazu zu sagen hätte! Aber manchmal fliegen die Finger einfach über die Tastatur und irgendwie gehört auch das auf schöne Art und Weise zum Bloggen dazu.

Bis die Tage,

Jess

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