Rezension: Geneva Lee – Royal Passion

Ich bin ein Bücherwürmchen. Meine Liebe zum Wort ist das, was meine Freizeit bestimmt. Ich schreibe gerne. Ich lese gerne. Es beruhigt mich und ist mein Zufluchtsort, gerade in stressigen Zeiten.

Und ich liebe es, meine Gedanken über Gelesenes zu teilen. Man glaubt es kaum, aber ich habe in der Universität tatsächlich etwas für meinen Blog gelernt, denn vor zwei Semestern saß ich in dem Seminar „Wie rezensiere ich einen Roman?“. Und genau das möchte ich heute machen und eine neue, kleine Kategorie ins Leben rufen, die vor allem  zum Austausch und zur Inspiration rund um das Thema Bücher dienen soll. Heute: Geneva Lee – Royal Passion.

Warum habe ich mir dieses Buch gekauft?

Ich muss zugeben – es war keine spontane Kaufentscheidung von mir. Längere Zeit bin ich in diversen Büchereien oder Einkaufsmärkten um dieses Buch herumgeschlichen, habe den Klappentext gelesen. Liebe, Erotik, Adelshaus, uff. Und eigentlich habe ich noch genug Schätze auf meinem Kindle, die darauf warten, gelesen zu werden. Der Entschluss zum Kauf fiel erst, als meine Schwester eben dieses Buch zu Weihnachten (oder zum Geburtstag? Gott, ich werde alt) bekam und ich mich zeitnah mit ihr darüber austauschen wollte.

Leseerfahrung

Für alle Mädchen, die ein neues Märchen brauchen. Ein Aufhänger, der hoffen lässt. Wirklich. Als ich diesen Satz gelesen habe, wurde ich zuerst etwas still und sammelte mich. Ja! Wir Mädchen brauchen Märchen! Ja! Wir brauchen sie ganz dringend, vor allem in absolut stressigen Zeiten! Ja, her mit dem Kitsch! Mein Herz braucht gerade etwas Balsam!

Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Im Groben und Ganzen erzählt Royal Passion die Geschichte von Clara Bishop, einer jungen Oxford Absolventen, die auf ihrer Abschlussfeier – ohne es zu wissen – vom Prinzen Englands geküsst wird und dadurch über Nacht im Rampenlicht der Klatschblätter steht. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen wie der ungewollten Öffentlichkeit, aber auch den Erwartungen des Königshauses an Prinz Alexander, lassen sich beide auf eine anfänglich rein sexuelle Beziehung ein. Doch es kommt, wie es kommen muss: Beide verlieben sich ineinander, gehen aber auf unterschiedliche Weise damit um. Während Clara sich ihre Gefühle eingesteht und diese auch gegenüber Alexander äußert, stößt dieser sie von sich und gibt ihr zu verstehen, dass sie nur seine Gespielen im Geheimen sein könne.

Es klingt nicht nur nach Cinderella Story, es ist tatsächlich auch so.

Und da es in gewisser Weise doch sehr stark vorhersehbar ist, habe ich lange gebraucht, bis ich das Buch durchgelesen habe. Denn wenn mich eine Story nicht fesselt schlafe ich doch lieber ein, als noch auf Biegen und Brechen ein weiteres Kapitel zu lesen. Ich muss auch zugeben, dass ich mir einen Großteil des Buches auf dem Weg zur Uni angehört habe, um die Zeit zu überbrücken, und es das ein oder andere Mal vorkam, dass ich leicht genervt doch lieber wieder Musik reingemacht habe.

Das Erzählte

Wir als Leser begleiten Clara auf ihrem Weg durch die turbulente Beziehung zu Alexander – in der ganz klassischen und einfachen Ich-Perspektive. Und wenn ich ehrlich bin ist das nicht die einzige Parallele, die mich schon im ersten Kapitel stark an „Fifty Shades of Grey“ erinnerte. Da ist die beste Freundin Annabelle, die perfekt in die adlige Welt zu passen scheint, viel hübscher und ansehnlicher ist als die Protagonistin, die stark an Kate erinnert, Clara, die dank diverser Selbstzweifel Ähnlichkeit mit Anastacia hat. Und natürlich Alexander, böse, bedrohlich, gut aussehend, irgendwie ein Grey-Verschnitt.

Wir haben zwar keine allumfassenden, die Welt erschütternden Orgasmen (na gut, doch, schon, aber diese Adjektive wurden nicht zur Beschreibung verwendet!), aber gefühlt genauso viel Sex wie im „Vorbild“. Dadurch kommt es meiner Meinung nach leider zu oft zu Wiederholungen des Erzählten – ich war irgendwann müde von dem ganzen Sex und habe gegen Ende des Buches angefangen, die Sexszenen zu überblättern (Schande über mein Haupt!).

Beide Protagonisten haben eine dunkle Vergangenheit. Das ist schön, das ist gut, das ist die Prise, die das ganze spannend macht. Leider wird Claras Problem der Vergangenheit in meinen Augen zu schnell aufgelöst, während wir über Alexanders Problem am Ende des Romans nur rätseln können. Die Probleme der Gegenwart, die sich nach und nach entwickeln, können es aber auch nicht retten, weil sie zu vorhersehbar sind.

Schön bleibt aber natürlich der Cinderella-Effekt: Clara ist DIE Eine. Die eine, der sich Alexander öffnet. Die eine, die ihn nicht langweilt. Die eine, die er schützen will. Die eine, von der er nie genug haben kann. Die eine, für die er sich von der Geburtstagsparty seines Vaters entfernt. Die eine.. huch! Genug Wiederholungen. Ja, das ist DER eine Aspekt, der was für’s kleine Mädchenherz ist.

Fazit

Ich habe dieses Buch gelesen. Ich bin am Ende angelangt. Mein erster Gedanke nach der letzten Seite? Toll. Offenes Ende. Du hasst offene Enden. Und dann ist dieses Ende genauso wie das in Fifty Shades of Grey und da die Parallelen ja so offensichtlich sind, weißt du ganz genau, wie es weitergeht. Toll. 

Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht begeistert bin. Royal Passion ist ganz nett, um es mal nebenbei zu lesen, aber es haut mich nicht um. Die Parallelen zu „Fifty Shades of Grey“ nerven mich wirklich, weil sie oft sehr offensichtlich sind, denn teilweise stimmt sogar die Art und Weise der Formulierung in gewissen Szenen überein.

Noch mehr stört mich aber das Bild, welches am Ende über Clara hängen bleibt: Von der fleißigen, emanzipierten Oxford-Absolventen entwickelt sie sich meiner Meinung nach zu einem absolut lustgesteuerten, völlig irrationalen Weib, was absolut abhängig von der Zuneigung eines Mannes wird. Nichts gegen Lust, nichts gegen Sex, nichts gegen unbändiges Verlangen – ABER: Das ist so eine extreme 180 Grad Wendung, mit der ich nicht klar komme. Ihre Stärke geht im Handlungsverlauf doch recht schnell verloren und auch der Versuch, sie gegen Ende des Buches wiederzuerlangen, ist meiner Meinung nach recht kläglich. Wieso kann eine Frau nicht auch einem Mann in solch einem Fall die Stirn bieten? Gerade wenn nur sehr zögerlich solche Worte wie „Dominanz“ und „Unterwerfung“ in den Raum geworfen werden, erscheint es mir sehr schleierhaft, weshalb sich eine Frau innerhalb weniger Tage von einer unabhängigen Persönlichkeit zu einem naiv wirkenden, treudoofen Mädchen zurückentwickelt.

Empfehlung

Würde ich das Buch noch einmal lesen? Nein. Empfehle ich es? Leute, die „Fifty Shades of Grey“ mögen und ähnliche Storys gerne lesen, sind bei diesem Buch sicherlich nicht falsch. Mir persönlich fehlt einfach der Anspruch – sowohl aus inhaltlicher, als auch aus sprachlicher Sicht. Aber hey – ich musste parallel für die Uni „Faust“ von Goethe lesen, vielleicht liegt mein Eindruck ja auch nur daran, denn schließlich sind das zwei Werke, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Lese ich den zweiten / die restlichen Teile der Reihe? Puuuh. Das ist eine gute Frage. Den zweiten Teil habe ich angefangen, weil ich wissen wollte, ob ich mit meiner Vermutung bezüglich der Ähnlichkeit zu „Fifty Shades of Grey“ richtig liege. Seit sich diese bestätigt hat, habe ich nicht mehr weitergelesen. Und momentan motiviert mich auch nichts, es weiterzulesen, außer mein „Zwang“, Bücher zu beenden. Wir werden also sehen, ob ich noch weiterlese oder nicht.

Ich hoffe, die neue Kategorie gefällt euch! Mit diesen Beiträgen möchte ich mir auch nicht anmaßen, die perfektesten Rezensionen zu schreiben, denn dazu habe ich gerade dieses Buch auf sprachlicher Ebene viel zu wenig analysiert. Ich möchte euch „nur“ ein bisschen in meine Leseerfahrungen einblicken lassen – und dadurch vielleicht auch die ein oder andere Diskussion anstoßen.

Bis die Tage,

Jess

2 thoughts on “Rezension: Geneva Lee – Royal Passion

  1. Das ist doch eine schöne Rezension. Eigentlich liegt es doch Nahe, dass du doch das grosse Vorbild noch nachbesprichst ?

  2. Vielen Dank für das Kompliment, es freut mich, dass dir die Rezension gefällt!
    Das große Vorbild habe ich – vielleicht auch nicht in diesem Stil, da ich zu diesem Zeitpunkt in der Theorie noch nichts über Rezensionen wusste – auch schon rezensiert und den Beitrag auch hier veröffentlicht. Es ist nur schon ein paar Jahre her: http://diedenken.de/2013/01/04/shades-of-grey/ :)

Kommentar verfassen