Lieblingspünktchen

Leicht gehetzt und gestresst bin ich am Freitagabend letzte Woche in mein Auto gestiegen. Wie es das Leben so will habe ich es auch an diesem Tag geschafft, irgendwie zu spät dran zu sein. Dieses Mal nicht, weil ich mich nicht motivieren konnte, das Haus zu verlassen, sondern eher weil ich alles perfekt vorbereiten wollte. Das Wochenende sollte wunderbar werden, ohne irgendwelche Zwischenfälle, ohne ein „Oh Mist, jetzt muss ich doch noch einmal aus dem Haus, einkaufen“.

Mein Ziel war Frankfurt am Main. Oder noch genauer: Die Flixbushaltestelle, an der ich nach einem gewaltigen Hin und Her doch noch mein Lieblingspünktchen, besser bekannt als miiiezekatze, abholen wollte.

24 Stunden zuvor hatte noch alles danach ausgesehen, dass wir uns das Wochenende abschminken können, denn der entspannte Flug, der sie von Berlin nach Stuttgart bringen sollte, wurde dank Streik abgesagt. Der Donnerstagnachmittag war für mich die reinste Katastrophe, denn die Vorfreude, die sich seit 12 Wochen stetig gesteigert hatte, hat sich binnen weniger Nachrichten in absoluten Frustration und Enttäuschung umgewandelt. Aber das wollten wir beide nicht wirklich akzeptieren. Und glaubt mir, es ist viel zu lange her, dass jemand für ein Treffen für mich durch halb Deutschland gefahren ist, stundenlang in einem extrem vollen Bus.

170km und 100 Minuten später bin ich dann in Frankfurt angekommen. Auf der Fahrt zum Bahnhof habe ich tatsächlich noch einmal gemerkt, dass ich ein absolutes Landkind bin – ich saß vor Staunen quiekend im Auto, als ein Flugzeug über die Autobahn flog und habe kaum den Mund wieder zubekommen, als ich langsam meinen Weg durch Frankfurt fand.

Auto am Bahnhof abgestellt (und dabei noch nicht einmal das Licht ausgemacht!), Handy gezückt, miiiezekatze gesucht. Und gefunden. Die erste Umarmung, mega große Freude, dass ich sie an diesem Tag doch noch in meine Arme schließen konnte. Und vor allem, dass die Harmonie, die gleiche Wellenlänge, alles, was zwischen uns in Gesprächen über sämtliche Social Media Kanäle herrschte, auch in der Realität funktionierte.

Vielleicht erwartet manch einer hier den Bericht eines actionreichen Wochenendes oder zig gemeinsame Bilder. Weder das eine noch das andere gibt es hier. Denn statt mit vielen Unternehmungen haben wir uns am Samstag mit guten Gesprächen und dem gemeinsamen Anschmachten von Ryan Gosling begnügt. Ebenso am Sonntag. Aber:

Es kommt nicht darauf an, dass man gemeinsam viel erlebt, was schnell wieder vergessen ist. Es kommt darauf an, dass man gemeinsam Erinnerungen schafft, an die man gerne zurückdenkt, wenn’s im Leben gerade nicht so gut läuft. Und das Wochenende mit meinem Lieblingspünktchen ist genau eine solche Erinnerung. Denn:

Ich habe schon lange nicht mehr das Thema Freundschaft angesprochen. Das hatte zwei einfache Gründe: Nach den (für mich) vielen und tiefen Enttäuschungen, die ich in den letzten Jahren verarbeiten und abhaken musste, hatte sich das Thema für mich irgendwie im Großen und Ganzen erledigt. Ich habe gelernt, alleine klar zu kommen und es nicht zu bedauern, dass es da niemanden gibt, mit dem es wirklich passt. Und akzeptiert, dass Bekanntschaften doch auch ein guter Schritt sind, sich wieder an das Thema heranzutasten. Gleichzeitig habe ich mir aber auch nicht mehr viele Gedanken über das Thema Freundschaft gemacht, weil es für mich nicht mehr auf der Prioritätenliste ganz oben stand.

Aber jetzt, jetzt möchte ich wieder darüber reden. Denn ohne es zu merken hat sich mit miiiezekatze eine Person in mein Leben geschlichen, von der ich lange Zeit glaubte, dass sie gar nicht existiert.

Denn wahre Freunde – das sind nicht die, mit denen man ein durchgetaktetes Wochenende braucht, um sich wohl zu fühlen. Wahre Freunde sind die, mit denen man stundenlang über Gott und die Welt quatschen kann, ohne gequält nach einem Gesprächsthema suchen zu müssen. Wahre Freunde sind die, mit denen man über Themen sprechen kann, die man sonst eher ungern mit anderen teilt. Wahre Freunde sind die, die gleichzeitig das Handy zücken und mit dem selben Gedanken etwas nachschauen wollen, nur um dabei festzustellen, dass man sich in gewissen Dingen doch verdammt ähnlich ist und dabei das, was man eigentlich nachschauen wollte, völlig nebensächlich wird. Wahre Freunde sind die, die genau der gleichen Meinung sind, wenn ein Film zu Ende ist, und falls nicht eine so plausible Erklärung haben, dass man wieder auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Wahre Freunde sind die, die einen nicht nur in der eigenen Meinung bestärken, sondern auch kritisieren, wenn man sich in etwas verrennt, was einem nicht gut tut. Wahre Freunde sind die, mit denen es einfach funktioniert, ohne dass es eine weitere Erklärung braucht, weil das Gefühl einfach stimmt.

Und auch, wenn ich immer vorsichtig bin, wenn es um Freundschaften geht, da ich zu oft miterlebt habe, wie sie grundlos auseinander gingen, wage ich an dieser Stelle einfach so zu behaupten: Wahre Freunde sind halt einfach wie mein Lieblingspünktchen, die miiiezekatze.

3 thoughts on “Lieblingspünktchen

  1. Hey!

    Ein bisschen Off-Topic, aber weil ich gerade alte Beiträge bei mir nachgelesen habe – du machst jetzt erst noch Staatsexamen, oder? Splittest du auf Frühjahrs- und Herbsttermin? Bei meinem alten Beitrag hattest du damals nämlich kommentiert, dass du 2016 Examen machen wolltest und jetzt dann schon im Ref wärst, aber das klingt in deinen Beiträgen ja nicht an. ;)

    Liebe Grüße
    Tinalise

  2. Hey,

    ich habe aufgrund verschiedener privater Begebenheiten das Examen erst von 2016 ins Jahr 2017, und weil ich immer erst im Januar ins Ref kann auf den Herbst 2017 gelegt. Ich splitte nicht, da mich das dauerhafte Lernen über ein Jahr hinweg in den Wahnsinn treiben würde.

    Liebe Grüße,
    Jess

  3. Wie cool, ich mache es genau so! :) Habe gerade meine Zulassungsarbeit geschrieben, bzw. bin noch dabei. Noch jemand, der nicht splittet, wuhu! :D Das ist an meiner Uni so eine Seltenheit…

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