Stille.

Leere Zeilen. Weiße Blätter. Leerer Bildschirm. Weißes Feld.

Ich starre auf meinen Bildschirm und weiß nicht, was ich sagen soll, was ich sagen will. Was sollen meine Finger tippen? Mein Blick schweift zu meinem Notizbuch für den Blog. Ich weiß gar nicht, wann ich es das letzte Mal aufgeschlagen habe. Darüber liegt mein Tagebuch und traurig wird mir klar, dass ich seit Januar nichts mehr hineingeschrieben habe. Ich war still und schweigsam. Nicht nur hier. Überall. Weil ich nicht wusste, was ich sagen soll. Weil ich nichts mehr sagen wollte. Weil ich flüchten, verdrängen, vergessen wollte. Und dadurch mich selbst vergaß.

Im letzten, stillen Monat ist so einiges in meinem Privatleben aus den Fugen geraten. Es ist erschreckend, wie sehr sich der Alltag verändern kann, wenn man auf schmerzliche Weise mit dem Thema Tod konfrontiert wird. Wenn eine geliebte Person die Diagnose „Krebs, unheilbar, alles was wir tun können ist die Schmerzen zu lindern“ erhält. Wenn alle denken, dass die erste Phase der Therapie anschlägt und man vielleicht noch ein paar gemeinsame, unbeschwerte Momente erleben kann. Wenn man sich irrt und auf einmal alles anders kommt. Wenn alles, was bleibt, leere Zimmer, ein leerer Stuhl, die Erinnerung an etwas ist, was nicht mehr wiederkommen wird.

Ich wusste nicht, was ich sagen soll. Ich weiß auch jetzt nicht, was ich zu diesem Thema sagen soll. Auf einmal ist da diese Leere und der Körper schaltet in den Modus des Autopiloten. Im vergangenen Monat habe ich mich in Arbeit gestürzt – die letzten Renovierungsarbeiten im Dachgeschoss, wo ich in den Osterferien meinen Crashkurs zur Abiturvorbereitung gehalten habe. Der Crashkurs an sich, den ich durch all diese Begebenheiten auf den letzten Drücker vorbereitete. Gleichzeitig zig Gedanken daran, dass ich mich um die Anmeldung zum Staatsexamen im Herbst kümmern muss. Und zwischen all dem unendlich viele Nachhilfestunden, die ich gegeben habe, ohne zu merken, wie viel ich eigentlich arbeite.

So sehr ich von meiner Arbeit genervt bin, so sehr es mich belastet hat, den Tag nicht einfach im Bett verbringen zu können – die Flucht in die Arbeit ist mein Schutzschild, meine Art, an einer Situation nicht völlig zu zerbrechen. Ich weiß, dass es nicht die gesündeste Variante ist. Ich weiß, dass ich mir wohl zig Vorträge über Verdrängung, unterdrückte Gefühle und andere Dinge anhören könnte. Ich weiß, dass ich durch meine Flucht in die Arbeit, in die Stille, auch mich selbst verdrängt und mundtot gemacht habe. Aber gleichzeitig weiß ich auch: Das ist meine Art. Und damit kann ich umgehen. Denn nach und nach kehre ich der Stille und dem Schweigen den Rücken zu. Dazu braucht es keine Ermahnungen, dass ich falsch mit der Situation umgehe. Dazu braucht es einfach nur etwas Zeit.

Verzeiht, dass ich so still war. Ich musste erst wieder zu mir selbst zurückfinden.

 

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