Zukunftsplanung

Es ist schon ein Weilchen her, aber ich fragte vor einiger Zeit auf Instagram und Twitter, ob es denn irgendwelche Fragen gibt, die ich in einem Blogpost beantworten soll. Tatsächlich kam die ein oder andere Frage auf, unter anderem: Wie sieht deine Planung für die Zeit nach dem Studium aus?

Nachdem ich das Hin und Her mit meiner Examensanmeldung überwunden habe und nun fleißig dabei bin, Prüfer für das Examen im Frühjahr 2018 zu sammeln, bin ich bis zu diesem Zeitpunkt hauptberuflich noch Student. Bis dahin heißt es also noch verbliebene Hausarbeiten schreiben, meine Zulassungsarbeit und dann natürlich noch für die Prüfungen lernen, obwohl mir das wenig Kopfzerbrechen bereitet – ich mag mündliche Prüfungen und würde lieber dutzende mündliche Prüfungen ablegen, als auch nur eine Hausarbeit zu schreiben.

Wenn alles gut geht, habe ich nächstes Frühjahr mein Staatsexamen in der Tasche. Endlich. Nach fünf Jahren Studium reicht es dann auch mal. Zum Sommer 2018 hin werde ich mich dann für mein Referendariat bewerben, welches ich hoffentlich ab Januar 2019 in der Nähe von Pforzheim oder Pforzheim selbst machen darf. Dies geht dann bis Juli 2020 – und dann bin ich Lehrerin.

Wie es dann weitergeht? Ich weiß es noch nicht. Spaßeshalber habe ich früher immer gesagt, dass ich den Schulleiterposten anvisiere – man muss sich schließlich hohe Ziele stecken!

Aber ich lasse das alles mittlerweile etwas entspannter auf mich zukommen, als ich es vor fünf Jahren noch tat, weil ich mit meinem Unternehmen ein sicheres, zweites Standbein habe. Dieses werde ich auch nicht zeitnah aufgeben, denn ich habe meiner ersten Schülerin versprochen, dass ich sie bis zum Abitur begleite, was erst im Jahr 2020 ist. Allerdings ist mir bewusst, dass ich das Pensum, welches ich aktuell habe – und sich dummerweise auch für das kommende Schuljahr ankündigt – nicht dauerhaft nebenbei meistern kann, während ich mich noch auf mein Studium und Referendariat konzentriere. Aus diesem Grund grübele ich momentan fast täglich daran, welche Richtung ich einschlage und welchen Weg ich mit meinem Unternehmen gehen werde, denn je mehr ich an meinen Lebensaufgaben und -entscheidungen wachse, umso mehr wächst es mit. Das macht mir zwischenzeitlich etwas Angst und überfordert mich, sodass ich mich gerne klonen oder Aufgaben abgeben würde, was wiederum gar nicht so einfach ist. Seit meinem letzten Post hat sich noch nicht viel ergeben, denn ich bin unschlüssig, mir fehlte die Zeit zum Nachdenken – und auch der Wille, die Lust. Ich nutze die freie Zeit, die ich habe, zum Durchschnaufen und schmiede nicht neue Pläne, und auch wenn das prinzipiell erst einmal gut klingt, bereitet mir das auch Sorge. Als mein Unternehmen kleiner war, konnte ich einfach von der einen Woche in die nächste Leben, aber durch das Wachstum geht das nicht mehr. Ich muss professioneller, durchdachter, wirtschaftlicher denken und so vieles bei all meinen Entscheidungen berücksichtigen und manchmal wünsche ich mir, dass da einfach jemand ist, der mir all diese Entscheidungen abnimmt.

Die Arbeit an und mit meinem Unternehmen bedeutet allerdings nicht, dass ich mein eigentliches Ziel – das Lehrer werden und Lehrer sein – aus den Augen verliere. Denn auch wenn ich das, was ich liebe – Wissen vermitteln – durch die Nachhilfe schon machen kann, fühle ich mich in diesem Job manchmal alleine und verlassen. Man ist halt kein Teamplayer, da gibt es keine Kollegen, mit denen man sich in der Mittagspause austauschen kann oder die man um Rat fragen kann. Und das fehlt mir. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass ich die selbstständige Arbeit ohne fremde Anweisung schätze, mir dabei aber der soziale Aspekt fehlt. Natürlich stehe ich im Austausch mit meinen Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern. Aber dieser ist meistens recht oberflächlich und nicht so erfüllend wie beispielsweise der Austausch während meines Praxissemesters mit anderen Kollegen oder der mit Lehrerinnen und Lehrern über Instagram oder Twitter. Außerdem schlage ich mich während der Nachhilfe mit fast allen Fächern rum – sogar mit Physik! – nur nicht mit den Fächern, für die mein Herz schlägt und die ich studiere. Die kommen eher selten vor. Und das vermisse ich. Als ich im April eine Woche lang einen Crashkurs in Deutsch geben konnte, fühlte ich mich glücklicher und erfüllter denn je. Als mein Bruder über’s Wochenende hier war, um mit mir gemeinsam für seine mündliche Prüfung in Geschichte zu lernen, konnte ich mal wieder etwas von der Leidenschaft weitergeben, die ich wirklich empfinde. Und ich weiß, dass ich unglücklich wäre, wenn ich mir die Möglichkeit nehmen würde, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen.

Ich fahre die nächsten drei Jahre also weiterhin zweigleisig, was meinen Beruf und meine Zukunft angeht. Einerseits gefällt das dem Teil in mir, der sich endlich Sicherheit im Berufsleben wünscht, gar nicht, denn eigentlich war es vor Jahren mein Wunsch, dass meine berufliche Zukunft bis zu meinem 25. Lebensjahr endlich entschieden ist. Anderseits bin ich froh darüber, zweigleisig fahren zu können, denn so weiß ich, dass ich nie ohne Job enden werde, was den Teil in mir beruhigt, der unabhängig von anderen sein Leben meistern möchte.

Und was nach 2020 sein wird, wird die Zukunft zeigen.

Bis die Tage,

Jess