Lass mich durchatmen. Es geht gleich weiter.

Der August ist für mich immer ein Monat zum Durchschnaufen. Sommerferien. Wenig Nachhilfe. Betriebsferien. Aber wenn man noch Student ist, dann ist das mit dem Durchschnaufen gar nicht so einfach. Denn dann ist der August vor allem eines: Der Monat der Hausarbeiten.

Ich weiß gar nicht, wer mir aktuell öfter mit diesem lästigen Thema in den Ohren liegt. Der Verlobte, weil ich ihn darum gebeten habe, mein Gewissen zu sein oder tatsächlich mein Gewissen, welches mir immer wieder sagt, wie undiszipliniert ich eigentlich bin und dass ich die „auf den letzten Drücker“-Aktionen doch eigentlich vermeiden wollte. Von Tag zu Tag werde ich frustrierter, weil ich nichts Produktives zustande gebracht habe und das hemmt mich nur noch mehr. Ich weiß auch nicht, wer in der aktuellen Situation vorwurfsvoller schaut: Die Fachliteratur, die seit einem Monat in meinem Regal verstaubt oder mein Spiegelbild, wenn ich abends ins Bett gehe, ohne wirklich weiter gekommen zu sein.

In solchen Momenten hätte ich gerne einen Moment zum Durchschnaufen. Leben! Lass mich durchatmen! Es geht gleich weiter. Bald kann ich wieder 200% geben, ohne dass mich das groß belastet. Aber jetzt wären 50% mal schön. Ich will wirklich etwas runterfahren, nicht bei 100% sein, ohne schlechtes Gewissen Dinge machen, die nichts mit Produktivität oder Disziplin zu tun haben. Ich brauche doch auch gar nicht lange. Nur eine kurze Pause, um etwas in mich hineinzuhören, ein gutes Buch zu lesen, eine Serie zu verschlingen, um mit meinen beiden Hexen den Tag im Bett oder auf der Couch zu verbringen, um meine Liebsten zu sehen und mit ihnen eine wunderbare Zeit zu genießen. Ohne Gedanken im Kopf. Ohne schlechtes Gewissen.

Oft frage ich mich in solchen Momenten, wie andere es eigentlich schaffen, sich zu motivieren, sich diszipliniert hinzusetzen, ihre ToDo-Listen abzuarbeiten und in einer Zeit produktiv zu sein, in der viele die Seele baumeln lassen. Auf Instagram sehe ich so viele Lern- und Studiumsposts und frage mich, ob ich im August nicht in eine Faulheit und Undiszipliniertheit verfalle, die mir eigentlich nicht gut tut, die dafür sorgt, dass ich mit meiner Leistung nicht mehr mithalten kann, unter anderem auch, weil mir der nötige Druck fehlt. Gleichzeitig hoffe ich, dass mir irgendwann wieder der Moment bevorsteht, in welchem ich die Weltherrschaft wieder an mich reißen möchte und mehr bewerkstelligen kann, als ich mir je vorstellen konnte.

Vielleicht fehlt mir aber auch nur die Zeit zum Durchatmen, weil das Leben ständig mit neuen, aufwühlenden Ereignissen um die Ecke kommt, ich dabei immer wieder gleichzeitig mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft konfrontiert werde und damit etwas überfordert bin, nicht weiß, wo ich ansetzen und in welche Richtung ich gehen soll. Meinem Leben fehlt gerade die Prise Langeweile, die nicht falsch, nicht nervend, aber wichtig ist. Diese Langeweile, die man nutzt, um sich in Ruhe an den Schreibtisch zu setzen und auszusortieren. Seien es Unterlagen, die sich in der „das musst du noch abheften“-Schublade befinden, oder Gedanken und Ideen, die einem immer wieder kommen. Denn neben all den Ereignissen, die nach und nach über mich hereinbrechen, herrscht in mir einfach ein riesiges Chaos, welches ich irgendwie in den Griff bekommen will. Nein. Muss.

Einmal kurz durchatmen. Ordnung in das WirrWarr namens Leben bringen. Etwas Struktur schaffen. Und dann wieder mit neuer Energie, neuer Motivation, neuem Tatendrang ran ans Werk.

Das wär’s.

Bis die Tage,

Jess